Burgruine Hohennagold

Luftaufnahme der Burgruine Hohennagold

In einer reizvollen Landschaft an der Grenze zwischen Schwarzwald und Gäu thront auf einer Anhöhe weit oberhalb der Stadt Nagold die Burg Hohennagold. Die Nagold umfließt von Nordwesten kommend diese Anhöhe, den sogenannten Schlossberg. Am rechten Flussufer befindet sich die Altstadt von Nagold und am linken Ufer schließt am Rande der Stadt der Schlossberg an. Schon von weitem erkennt man den runden Bergfried und den Flankierungsturm. Große Teile der zehn Meter hohen Umfassungsmauer sind erhalten und treten teilweise auch schon aus der Ferne in Erscheinung. Der Halsgraben teilt die Burganlage in die östlich gelegene Vorburg und die westlich gelegene Kernburg.

Spuren erster Besiedelung liegen bereits aus der Urnenfelderzeit, 1200 vor Christus, vor. Erste Befestigungen lassen sich aus der Hallstattzeit nachweisen. Kelten errichteten hier 600 bis 500 vor Christus eine Wallanlage, von der jedoch kaum etwas erhalten geblieben ist. Vermutlich hatte der Keltenfürst von Krautbühl hier seinen Wohnsitz bauen lassen.

Eine frühmittelalterliche Burg entstand möglicherweise unter Graf Ruodbrecht, dem Onkel von Karl dem Großen, im Jahre 750.

Burgruine Hohennagold im Winter. Blick von Westen.

Burgruine Hohennagold im Winter
Treppe zum Flankierungsturm

Die mittelalterliche Burg geht auf die Grafen von Nagold zurück. Diese stammen von den Grafen des Nagoldgaus ab, die sich wiederum bis in die Zeit von Karl dem Großen zurückverfolgen lassen. Ihren ältesten Sitz hatten sie wohl in Nagold bei der Remigiuskirche. Von dort aus zogen sie im 11. Jahrhundert auf die heute als Schlossberg bezeichnete Anhöhe.

Mitte des 12. Jahrhunderts verlegten die Grafen von Nagold ihr Herrschaftszentrum nach Tübingen und nannten sich „von Tübingen“. 1145 wurden sie zu den Pfalzgrafen von Tübingen erhoben. Zum Schutz ihrer Länder bauten sie vom 12. bis zum 13. Jahrhundert die Burg Hohennagold und die Stadt Nagold aus.

Bergfried

Mitte des 13. Jahrhunderts ging die Burg an die Grafen von Hohenberg über, da Graf Burkhard III. durch die Heirat mit der Pfalzgrafentochter Mechthild die Herrschaft Nagold erheiratet hatte. Der ältere Sohn aus dieser Ehe, Albrecht, brachte als Reichslandvogt und Minnesänger die Familie zu höchstem Ansehen. Seine Schwester Gertrud heiratete Rudolf von Habsburg und wurde deutsche Königin, sein jüngerer Bruder Burkhard IV. begründete die Nagolder Linie der Grafen von Hohenberg.

Die Grafen von Hohenberg bauten die Burg als ihre Residenz aus und nannten sich nun Grafen von Nagold. Was heute noch von Hohennagold übrig ist, befindet sich im Kern der Burg der Grafen von Hohenberg.

Aus ihrer Zeit sind die Umfassungsmauern des etwa dreieckigen Burgplatzes, die Schildmauer an der Grabenseite, der spätere Flankierungsturm und dahinter frei aufragend der runde Bergfried erhalten geblieben. Vermutlich war auch die Vorburg von Anfang an in die Befestigung mit einbezogen.

Umfassungsmauer Flankierungsturm Bergfried

1363 verkauften die Hohenberger beziehungsweise die Grafen von Nagold die Burg Hohennagold und die zugehörige Herrschaft an die Grafen von Württemberg, die die Anlage weiter ausbauten: Sie errichteten die Burg mit Zwingeranlage, Bastionen und Ecktürmen, die Mauer der Vorburg sowie weitere Türme an der Westecke und am Brunnen. Sie setzten auch einen Obervogt ein. Nagold wurde in diesem Jahr zur Amtsstadt erhoben.

Modell der Hohennagold im 15. / 16. Jahrhundert

Im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert plante Herzog Ulrich von Württemberg den Ausbau der sieben Festungen, die wie ein Kranz um seine Residenzstadt Stuttgart lagen, zu Landesfestungen. Weil die Kriegswaffen mittlerweile so wirksam geworden waren, dass diese mittelalterliche Burg- und Stadtmauern brechen konnten, wollte er zusätzliche Schutzvorrichtungen zur Verteidigung schaffen. In Kirchheim, Schorndorf, Hohenasberg, Hohenneuffen, Hohentübingen, Hohenurach und Hohentwiel wurde das Konzept des Herzogs teilweise umgesetzt.

Um seiner landesherrlichen Pflicht zum Schutz der Untertanen nachkommen, strebte auch Herzog Christoph an, die Burg Hohennagold zu einer solchen Landesfestung auszubauen. Jedoch wurde dieses Projekt nie realisiert.

Stich von Hohennagold, Matthäus Merian, 1646.

Stich von Hohennagold, 1646

Nachdem die Burg im Dreißigjährigen Krieg 1645 von den Bayern eingenommen und schwer beschädigt wurde, brach man die Ruine 1646 ab. In der darauf folgenden Zeit baute man die Burg teilweise wieder auf.

Burgruine Hohennagold auf dem Schlossberg

1945 wurde der Nordwest-Turm durch einen Tiefflieger bombardiert und zerstört. In der Nachkriegszeit begann man mit der Instandsetzung der Ruine. Trotz des Wiederaufbaus achtete man stets darauf, die Burg als eine Ruine zu belassen. Die Atmosphäre macht das enorme Alter der Festung, das bis in die vorchristliche Zeit reicht, spürbar. Hohennagold gehört zu den interessantesten Anlagen, die die Region zu bieten hat.

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Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook