Burg

Burg Hohenzollern, Luftbild

Die Geschichte der Burg Hohenzollern reicht bis in das 11. Jahrhundert zurück, in welchem die gleichnamige Dynastie erstmals urkundlich genannt wurde. In einer Chronik der Abtei Reichenau findet sich der Eintrag, dass Burchard und Wezil von Zollern im Jahre 1061 im Kampf gefallen seien. Eine Abstammung vom alemannischen Geschlecht der Burkhardinger ist demnach wahrscheinlich, jedoch bis heute nicht belegbar. Auch die Herkunft des Namens, der sich aus Vorformen wie „zolorin“ und „zolre“ schließlich im 14. Jahrhundert zu „Hohenzollern“ entwickelte, ist nicht eindeutig geklärt.

Stammwappen der Hohenzollern

Ebenso wenig ist das Aussehen der damaligen Burg überliefert, deren früheste Erwähnung in das Jahr 1267 fällt. Es muss sich aber bereits um eine imposante Anlage gehandelt haben, die zeitgenössische Beschreibungen als „das vesteste Hauss in teutschen Landen“ und „Krone aller Burgen in Schwaben“ bezeichneten. Im Jahre 1192 wurde Graf Friedrich III. (gest. nach 1200) von Zollern mit der Burggrafschaft Nürnberg belehnt, wodurch in der folgenden Generation eine Erbteilung stattfand, aus der die beiden bis heute bestehenden Hauptlinien des Hauses Hohenzollern hervorgingen. Während der schwäbische Zweig weiterhin im Gebiet rund um die Stammburg ansässig blieb, gelang der fränkischen Linie der Aufstieg zu brandenburgischen Kurfürsten, preußischen Königen und letztlich deutschen Kaisern.

Kanone im Innenhof von Burg Hohenzollern

In den südwestdeutschen Stammlanden herrschten indessen im frühen 15. Jahrhundert Erbstreitigkeiten zwischen zwei rivalisierenden Brüdern. Zugleich führten Auseinandersetzungen mit umliegenden Reichsstädten 1423 zu einer zehnmonatigen Belagerung der Burg, die mit ihrer vollständigen Zerstörung endete. Nach einem zeitweiligen Wiederaufbauverbot konnte Graf Jos Niklaus (1433-1488) im Jahre 1454 mit der Wiederherstellung beginnen. Aus dieser Zeit hat sich die 1461 geweihte St. Michaelskapelle bis heute erhalten.

Allmählich verlegten die 1623 in den Fürstenstand erhobenen Hohenzollern jedoch ihre Residenzen nach Hechingen, Haigerloch und Sigmaringen, so dass die Burg nur noch als Rückzugsort in Kriegszeiten diente. Im Dreißigjährigen Krieg wurde sie mit einem tiefer liegenden Basteienkranz umgeben, musste aber dennoch 1634 den schwedischen und württembergischen Truppen kampflos übergeben werden. Nach einem raschen Besitzerwechsel bildete sie zwischen 1667 und 1771 einen militärischen Stützpunkt Vorderösterreichs, verfiel jedoch zusehends und stellte sich bereits im frühen 19. Jahrhundert nur noch als Ruine dar.

Burg Hohenzollern: Außenansicht.

Burg Hohenzollen, Außenansicht
König Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861)

So erlebte sie auch der preußische Kronprinz und spätere König Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861) bei seinem Besuch im Jahre 1819, der in ihm den Gedanken an einen Wiederaufbau erweckte. Bis dahin sollten jedoch – nicht zuletzt auf Grund der nur in geringem Maße zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel – noch einige Jahre vergehen. Mit dem Auftreten des schlesischen Barons Rudolf von Stillfried (1804-1882), der im Auftrag des Thronfolgers die damals nur wenig bekannte frühe Geschichte der Hohenzollern erforschte, begann sich das Vorhaben allmählich zu konkretisieren. Im Jahre 1846 einigten sich die einzelnen Familienzweige auf eine gemeinschaftliche Wiederherstellung und beauftragten den preußischen Oberbaurat Friedrich August Stüler (1800-1865), dem nach seinem Lehrer Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) wohl bedeutendsten Vertreter der Berliner Bauschule, mit der Erstellung von Bauplänen. Stüler orientierte sich dabei vorwiegend an der Architektur der Spätgotik in Deutschland sowie in England, Frankreich und Italien, während Stillfried zahlreiche Vorgaben für die inhaltliche Gestaltung lieferte.

Kloster Stetten mit Hohenzollern um 1840

Die Revolution von 1848 und die daraus erfolgte Übernahme der hohenzollerischen Stammlande durch Preußen schufen veränderte Voraussetzungen und ließen zugleich den Wunsch nach neuen Befestigungsanlagen aufkommen, die der Militär-Ingenieur Moritz von Prittwitz (1795-1885) entwarf. Die in Form zweier sich überschneidender Ellipsen angelegte Auffahrt sowie die auf den Fundamenten der Vorgängerburgen basierenden umlaufenden Basteien gelten bis heute als ein Meisterwerk der damaligen Festungsbaukunst.

Burg Hohenzollern: Auffahrt.

Auffahrt zur Burg Hohenzollern
Burg Hohenzollern: Christuskapelle

Unter Einbeziehung der noch aus dem 15. Jahrhundert stammenden St. Michaelskapelle und Hinzufügung der evangelischen Christuskapelle entstand ein malerisches Hochschloss, dessen Innenhof geradezu einem Bühnenbild gleicht. Die schließlich 1867 von König Wilhelm I. (1797-1888), dem Bruder und Nachfolger des eigentlichen Initiators, eingeweihte dritte Burg war jedoch weniger als ein Wohnsitz, sondern vielmehr als ein dynastisches Denkmal gedacht, das den Ursprung und Aufstieg der Hohenzollern eindrucksvoll verkörpern sollte.

Blick von Nordwesten auf Hechingen und Hohenzollern um 1860

Bereits während ihres Wiederaufbaus und verstärkt mit der 1869 eröffneten Bahnstrecke von Tübingen nach Hechingen entwickelte sich die Burg Hohenzollern zu einem touristischen Anziehungspunkt von überregionaler Bedeutung. Angehörige des Herrscherhauses kamen indessen nur gelegentlich und meist nur für wenige Stunden; Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) besuchte den Stammsitz immerhin fünfmal im Laufe seiner Regierungszeit. Nach seiner Abdankung 1918 und Vermögensauseinandersetzungen mit dem preußischen Staat wurde die Burg den Hohenzollern weiterhin als Privateigentum zugesprochen. In Folge des Zweiten Weltkrieges und dem nahezu vollständigen Verlust der bis dahin verbliebenen Besitzungen erlangte sie jedoch insbesondere für den preußischen Familienzweig eine neue Bedeutung.

Burg Hohenzollern 1870, Blick von Osten

Kronprinz Wilhelm (1882-1951), der Sohn des letzten Kaisers, verbrachte im nahe gelegenen Hechingen seine letzten Lebensjahre, dessen Nachfolger Prinz Louis Ferdinand von Preußen (1907-1994) begann die Burg mit einer Vielzahl von herausragenden Kunstwerken auszustatten, um die Geschichte seiner Vorfahren auch aus einer familiären Perspektive darzustellen. Im Jahre 1952 veranlasste er die Überführung der kriegsbedingt ausgelagerten und 1945 nach Marburg verbrachten Särge Friedrichs des Großen und seines Vaters Friedrich Wilhelm I., des Soldatenkönigs, auf die Burg Hohenzollern. Nach der deutschen Wiedervereinigung sind sie 1991 wieder nach Potsdam gelangt. Gleichzeitig wurde der Stammsitz der Hohenzollern durch die Gründung der nach der Gemahlin des Prinzen benannten Prinzessin-Kira-von-Preußen-Stiftung neu belebt, die seither Tausenden von Kindern und Jugendlichen unentgeltliche Ferienaufenthalte auf der Burg ermöglicht hat.

Luftbild: Blick auf Burg Hohenzollern.

Luftbild: Blick auf Burg Hohenzollern
Burg Hohenzollern, Luftbild

Die bis heute gemeinschaftlich von beiden Linien des Hauses betriebene Anlage muss sich größtenteils selbst tragen, was sich stets als eine neue Herausforderung darstellt. Regelmäßige Veranstaltungen, darunter Konzerte, Open-air-Kino, Sonderausstellungen sowie ein alljährlich vor der romantischen Kulisse des Burghofs abgehaltener Weihnachtsmarkt gewährleisten eine konstante Attraktivität dieses Wahrzeichens einer ganzen Region und Symbols der deutschen Geschichte.

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Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook