Burg Rötteln

Rekonstruktion der Burg Rötteln im Zustand vor 1678

Mit zirca 300 Metern Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung ist Burg Rötteln eine der größten Burgruinen Badens und Zeugnis für die bewegte Geschichte dieser Region.

Burg Rötteln, Tor zur Oberburg mit Bergfried

Seit wann der schmale Berghügel über dem Wiesental bewohnt wurde, entzieht sich genauerer Kenntnis – aber es war vermutlich erst im hohen Mittelalter.
Das Geschlecht derer von Rötteln ist jedenfalls bis um das Jahr 1100 zurückverfolgbar. Die ältesten erhaltenen Teile ihrer Burg stammen wohl aus dem späten 12. und dem 13. Jahrhundert. Sie gehören also in die Zeit der Staufer. Im 13. Jahrhundert waren die Rötteler in der Lörracher Gegend eine mächtige und bedeutende Adelsfamilie. Sie strebten nach Höherem, Bischofswürden in Basel und Konstanz sind Zeichen dafür.

Grabplatte

Die Burg der Freiherrn von Rötteln ist in ihren Dimensionen noch heute gut erfahrbar. Es handelt sich im Wesentlichen um das Areal der Oberburg. Nach drei Seiten durch die topografische Lage gut geschützt, wurde nach Norden eine mächtige Schildmauer errichtet. Im Innern erhebt sich als wichtigstes Bauwerk der quadratische Bergfried. Er besteht aus sorgfältig zu Buckelquadern behauenen Sandsteinquadern, die ohne Mörtel aufeinandergesetzt wurden, und ist charakteristisch für die technische Ausführung von Burgen am Oberrhein. Neben dem Bergfried errichtete man entlang der Umfassungsmauer weitere Gebäude, darunter den noch heute hoch aufragenden Palas, das mehrstöckige Hauptgebäude der Burg. 

Zugang zum Rittersaal

Ende des 13. Jahrhunderts geriet die Familie derer von Rötteln in finanzielle Schwierigkeiten und verlor an Macht. Außerdem starb mit Luithold II. die männliche Linie 1316 aus. Da seine Nichte Agnes bereits 1298 Rudolf I. von Hachberg-Sausenberg geheiratet hatte, kam die Burg in den Besitz der Herren von Hachberg-Sausenberg, eine Seitenlinie der badischen Markgrafen. Diese verlegten daraufhin ihren Stammsitz nach Rötteln und es begann mit ihrem Geschlecht eine neue, glanzvolle Zeit für die Burg. Zunächst glich ihre Herrschaft im Südbadischen mehr einem Flickenteppich, aber durch geschickte Heiratspolitik kamen weitere Besitzungen dazu, sodass Mitte des 15. Jahrhunderts das heutige Markgräflerland ein halbwegs geschlossenes Territorium bildete.

Burg Rötteln, Burghof

Burg Rötteln erhielt unter den Markgrafen von Hachberg-Sausenberg im Wesentlichen ihre heutige Größe. Bedingt durch die Erfindung des Schießpulvers und der Entwicklung von Feuerwaffen, waren weitere Verteidigungsanlagen notwendig. Ein doppelter Mauerring mit dazwischen liegendem Zwinger wurde zum Schutz vor der Durchschlagskraft der Kanonen errichtet. Um für die eigenen Geschütze Platz zu schaffen, erbaute man halbrunde Türme mit entsprechenden Schießscharten. Die Oberburg und auch das Areal der Unterburg wurden in diese neuen Befestigungsmaßnahmen mit einbezogen. 

Burg Röttel von Osten

Wegen extremer Schuldenlast musste Markgraf Wilhelm von Hachberg-Sausenberg 1441 zu Gunsten seiner noch unmündigen Söhne auf die Herrschaft verzichten. Vormund und Regent wurde deren Onkel Graf Johann von Freiburg-Neuenburg, weswegen die Residenz nach Neuenburg (Neuchâtel, Schweiz) verlegt wurde. Für die Burg Rötteln begann ein neuer Abschnitt: Sie wurde zum Verwaltungszentrum mit Landvögten als Regenten. Als 1503 Markgraf Philipp ohne Erben starb, fiel das Markgräflerland an die badische Hauptlinie. Auch diese bewohnte die Burg nicht selbst, sondern überließ sie den Landvögten. Die Anlage, insbesondere die Vorburg, wurde entsprechend ihrer Funktion als Verwaltungssitz weiter ausgebaut. Es entstand eine Reihe von Bauten an der östlichen und westlichen Mauer. Das wichtigste Gebäude war die Landschreiberei. Das Tor der Vorburg sicherte man nach Süden Anfang des 17. Jahrhunderts nochmals durch den Bau einer großzügigen Bastion. Damit hatte die Burg Rötteln ihre endgültige Form gefunden.

Die Burg in ihrer größten Blüte
Die Burg in ihrer größten Blüte, Stich von Matthäus Merian, 1644


In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) wurde die Burg schwer beschädigt. 30 Jahre später war sie erneuter Belagerung und Verwüstung durch die französische Armee ausgesetzt. Die letzte Etappe der Zerstörung erfolgte im Pfälzer Erbfolgekrieg (1688-1697) wiederum durch französische Truppen. Die Bewohner der umliegenden Dörfer benutzten in den folgenden Jahrzehnten die verlassene Burg als Steinbruch, lieferte sie doch bestens zugehauene Steinquader.

Lithographie

Mit der Wiederentdeckung der Werte mittelalterlicher Kultur im Zeitalter der Romantik besuchten Maler und Zeichner die verfallene Ruine. Bald darauf ergriff man erste bestandserhaltende Maßnahmen.

Funde aus dem Bereich der Burgruine

Ab 1884 unternahm der Schwarzwaldverein erste Schritte im Sinne der Denkmalpflege und ebnete den Weg für den Tourismus auf der Burg. 1926 wurde der Röttelnbund e. V. gegründet, der sich bis heute um den Erhalt und die Pflege der ehemaligen Festung bemüht. Seit 1968 finden alljährlich die Burgfestspiele statt, die europäische Dramatik mit atemberaubender Kulisse verbinden. Ein Museum in der ehemaligen Landschreiberei gewährt lebendige Einblicke in die Geschichte der Burg.

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