Ruinenromantik

Die Sehnsucht nach Vergangenem

Johann Peter Hebel

Anfang des 19. Jahrhunderts, im Zeitalter der Romantik, wurden die Werte mittelalterlicher Kultur wiederentdeckt. Die Romantiker sahen durch die Französische Revolution und die napoleonischen Eroberungen ihre vaterländischen Gefühle verletzt. Sie besannen sich auf die deutsche Kunst und Geschichte und verherrlichten das Mittelalter mit seiner Architektur. Viele zog es an Schauplätze dieser Zeit und so ist es nicht verwunderlich, dass vor allem Burgen und Klöster ihre Aufmerksamkeit erregten.

Schloss Rötteln, 1844

Aus diesem Grund besuchten zahlreiche Maler und Dichter zu Beginn des 19. Jahrhunderts auch die Burgruine Rötteln. Einer von ihnen war Johann Peter Hebel. Der Dichter und Erzähler, in Basel geboren und in Schwetzingen gestorben, kannte durch seine langjährige Arbeit als Lehrer in Lörrach die Burg. Inspiriert durch die Sehnsucht nach seiner Heimat schrieb er „Alemannische Gedichte“, die als Sammlung veröffentlicht wurden. Eines der berühmtesten Gedichte davon ist „Die Vergänglichkeit“. In diesem spielt die Burg Rötteln eine zentrale Rolle: Ein Großvater erklärt an ihrem Beispiel seinem Enkel den Verfall der Welt.

Bei den Malern und Zeichnern weckten mittelalterliche Festungen die Sehnsucht nach der für sie idealen Vergangenheit sowie den Wunsch nach Einheit von Natur und Kultur. Die Burg Rötteln erstrahlt so in zahlreichen Gemälden und Zeichnungen als historisches Monument. Die Romantiker waren die Ersten, die das Potenzial der Burgen als Denkmal vergangener Zeiten erkannten und dies in ihren Arbeiten festhielten.

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