Anekdote

Flankierungsturm mit Schildmauer

Die Magd und der Graf

Einst wohnte auf der Hohennagold ein mächtiger, aber auch grausamer Graf. Er war sehr reich und diesen Reichtum wollte er noch vermehren, indem er den Nagoldern harte Steuern und Abgaben auferlegte. Wer diese nicht bezahlen konnte, wurde in den Turm der Burg geworfen.

Der Graf hatte aber eine schöne Tochter. Sie spielte gern im Burghof, in dem es einen tiefen Ziehbrunnen gab. Neugierig beugte sich das Mädchen eines Tages zu weit über die Brüstung und stürzte in den Brunnen hinab. Zunächst bemerkte niemand die Schreie der Grafentochter, bis ein Knecht sie im Vorübergehen vernahm und die Schlosswache rief. Keiner der Knechte war so mutig, die Grafentochter zu retten. Erst als man die Küchenmagd herbeirief und der Graf ihr erklärte, sie habe einen Wunsch frei, wenn sie seine Tochter heraufhole, war sie bereit, das Fräulein zu retten. Sie wurde in einem Kübel hinabgelassen und kam kurz darauf gesund mit dem Mädchen wieder nach oben. Alle freuten sich und die Magd durfte ihren Wunsch äußern: „Wenn ich mir etwas wünschen darf, dann, dass Ihr meinen Vater freilasst, der wegen der hohen Steuern im Burgverlies eingesperrt ist.“ Der Graf aber wurde wütend, als er dies hörte, und jagte die Magd davon.

Nicht lange danach zog ein fremdes Heer durchs Land und belagerte auch die Burg des grausamen Nagolder Grafen. Die Hilfe der Nagolder Bürger ermöglichte es den fremden Soldaten, die Burg zu erobern. Der Vater der Magd kam frei, er lebte fortan wieder glücklich mit seiner Familie. Doch der grausame Graf versuchte mit seiner Tochter und ein paar treuen Knechten zu fliehen. Aber bald holten ihn die Reiter des Eroberers ein und nahmen ihn fest.

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