Anekdoten

Radleuchter, Ausschnitt

Der alte Kronleuchter
Der berühmte romanische Radleuchter aus dem 11. Jahrhundert, den die Kirchenbesucher noch heute auf der Großcomburg bewundern können, hat manche bewegte Zeit überdauert. Nachdem er wohl in der Erde vergraben war und dadurch Rost angesetzt hatte, „renovierte“ man das Kunstwerk im Jahr 1570, indem man ihn mit Ölfarbe goldbronzen lackierte und damit verunstaltete. H. Merz berichtet im Jahr 1861: „(...) In diesem Zustande sah und beschrieb man ihn bis zum Sturmjahr 1848, an dessen Christabend, als kaum der katholische Gottesdienst vorüber war, der Kronleuchter für gut fand auch einen Revolutionslärm zu machen. Das dünne Seil, womit er oben an die schwere Kette nothdürftig befestigt war, riss und mit seinem ganzen Gewichte stürzte er zu Boden. Das ward ihm zum Heil. (...) Der Oelanstrich wurde durch Sieden im Kessel erweicht und dann sorgfältig entfernt: da trat die alte Kunst in einer so überraschenden und erfreulichen Pracht und Manchfaltigkeit hervor...“

Figurenschmuck am Annenaltar

Engelszungen
Eine frühneuhochdeutsche, handschriftliche Übersetzung der ursprünglich lateinischen „Baugeschichte des Klosters Komburg“, die wohl im ausgehenden 14. Jahrhundert geschrieben wurde, erzählt auch Gründungsmythen aus der Anfangszeit der Comburg:
Eines Nachts gingen einige Männer und Frauen nach ihrer Gewohnheit zu einer Kirche, die am Fuß des Klosterbergs lag und die dem Heiligen Johannes geweiht war. Plötzlich hörten sie auf dem Weg einen wunderlichen, süßen Gesang und dachten, der Priester singe schon die Messe. Als sie zur Kirche geeilt waren, fanden sie dort den Priester schlafend vor. Danach zweifelten sie nicht, daß sie Engelsgesang vernommen hatten.

Tor an der Michaelskapelle

Des Propstes Hausgerät
In einer Urkunde aus dem Jahr 1498 zählt der letzte Abt und erste Propst des Chorherrenstifts, Seifried von Holtz, alle Gegenstände auf, die ihm die Herren des Kapitels anlässlich seines Rückzugs von der Verwaltung des Stifts überlassen hatten. Dazu gehörten zwölf Betten, dreizehn Kissen, sechzehn Leinenlaken, drei Pfannen, fünf Wagen mit Geschirr und Zubehör im Wert von zwanzig Gulden, vier Kühe, zwölf Schweine, zwölf Ochsen, zwei Pflüge, zwölf silberbeschlagene Löffel, zwei Schreibtische....

Sandsteinepitaph

Grabmal der Seele
Auf der Comburg finden sich noch mannigfaltige Zeugnisse des einstigen Klosters, zahlreiche Inschriften künden vom einstigen Leben in den mächtigen Mauern. Zu Zeiten des Chorherrenstifts trat vor allem Erasmus Neustetter (1523-1594) als verdienstvolle Persönlichkeit hervor. Allein fünf Grabdenkmäler zeugen von ihm und seinen Taten. Eine steinerne Tafel mit dem Datum 1570 verkündet:
„Türme gebaut hab ich zehn und Mauern neu aufgeführt...
Gulden hab ich gemehrt und Zinsen und Zehnten...
All das ist nur geschehen durch meine riesige Arbeit (...)
Aber da niemand geboren sich selbst zur Pflege der Ruhe,
Sondern zur Sorg für das Feld, das ihm von oben vertraut,
Hab meine Pflicht ich getan mit Eifer, wie´s nur erlaubte
Meine wenige Kraft oder die schwierige Zeit. (...)
Sterblicher denk an den Tod, hab stets ein gutes Gewissen!
Alles andere vergeht, Tugend allein hat Bestand.“



Comburg

Aus Major von Arlts Personalakten
1866 wurde Major Karl von Arlts, geb. 1813, wegen „körperlicher Dienstunfähigkeit“ ins Ehreninvalidencorps auf der Großcomburg aufgenommen. Seine Personalakten vermerken, dass seine „Hausjungfer“ ihm dort einen Sohn geboren hatte. Daraufhin musste sie mit ihrem Kind die Comburg verlassen, der Major durfte bleiben. Er ließ sich dann einige Zeit beurlauben und lebte mit seiner Familie zusammen. Seine schwierige wirtschaftliche Lage macht es ihm unmöglich, sein Heiratsversprechen einzulösen. Auf seinen Antrag hin wurde er 1870 als Kommandant des Kriegsgefangenenbewachungskommandos auf den württembergischen Hohenasperg berufen. 1871 kehrte er auf die Comburg zurück und wurde 1873 Kommandant des Ehreninvalidenkorps. Seinen „Fehltritt“ betrachtete man als Kavaliersdelikt, die junge Frau und ihr Kind mussten alleine für sich sorgen...

Blick auf den südöstlichen Turm

Malerfleiß
„Zeig immer Stolz dein Prachtgelände
Die schmucken Werke deiner Hände,
Dein Thal, vom Segen Gottes voll,
Und deine grauen Alterthümer,
Der Burg und der Kapellen Trümmer,
Die Kindeskind noch schauen soll“

.. dichtete der Zeichenlehrer und Maler Johann Friedrich Reik in seinem „Skizzenbuch aus Schwäbisch Hall und Umgebung“. In seinem umfangreichen Werk beschäftigte sich der Künstler mit der alten Reichsstadt und der Comburg. Zwischen 1874 und 1902 entstanden mehr als 700 Arbeiten. Diese naturalistischen und detailgenauen Bilder sind heute von historischem Wert, da viele der abgebildeten Ansichten so nicht mehr existieren.

 
 
Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook