Kloster Lorch von Nord, Ost, West und Süd; dargestellt in einer Zeichnung, als Abziehbild, romantisch als Postkartenmotiv oder als Ölgemälde. Bilder sind heute eine Selbstverständlichkeit. Doch das war nicht immer so. Setzt doch die Wiedergabe eines bestimmten Ortes, einer Person oder eines Anlasses ein Bewusstsein für die Bedeutung des Dargestellten voraus. Und die so entstandenen Bilder waren lange Zeit nur wenigen zugänglich. Auch in Kloster Lorch. Die ersten Abbildungen der Anlage und seiner Kirche finden sich verborgen in den Initialen der Chorbücher und an den Wänden der Klosterkirche.
Die Klosterstiftung, mit der die Bestimmung des Klosters als zukünftige Grablege der Stauferdynastie verbunden war, ist das erste Motiv, in dem das Kloster bildlich dargestellt wurde. Um 1530 entstand in der Klosterkirche eine Reihe mit Stauferbildern. Darunter finden sich auch die Stifter Herzog Friedrich von Schwaben und seine Frau Agnes von Waiblingen, die ein Modell der Kirche als Symbol ihrer Stiftung in den Händen halten. Das Modell zeigt den Zustand des Baus in jener vergangenen Zeit: ohne die beiden romanischen Türme, von denen der letzte 1525 während der Bauernkriege einem Klosterbrand zum Opfer gefallen war.
In den Lorcher Chorbüchern von 1511-1512 findet sich dagegen eine Darstellung, die auf den romanischen Kirchenbau Bezug nimmt. Deutlich sind am linken Rand die beiden Türme des Westbaus zu erkennen.
Beinahe drei Jahrhunderte später - mit der Wiederentdeckung der verschlafenen, romantisch ruinösen Klosteranlage Anfang des 19. Jahrhunderts - wurde das Kloster zum beliebten Bildmotiv. Kulturbeflissene Touristen, ernstzunehmende Maler, Dichter, Musiker und auch Wissenschaftler besuchten die einstige Staufergrablege. Sie alle ließen sich vom Zauber des Ortes und vom Geist der Vergangenheit inspirieren. Eine Zeichnung des Gmünder Zeichenlehrers Johann Sebald Baumeister etwa zeigt das Kloster im Jahre 1804 hoch über dem noch unbewaldeten Klosterberg. Der Fotograf Jakob August Lorent hielt das Kloster 1866 für seine dreibändige Publikation "Denkmale des Mittelalters im Königreiche Württemberg" fest. Und der Architekt Richard Raisch fertigte um 1890 Zeichnungen vom Äußeren und Inneren der Kirche nach der großen Restaurierung von 1879 bis 1883.
Lorch war als Ausflugsziel aus Württemberg bald nicht mehr weg zu denken, so dass sich die Postkartenindustrie des Klostermotivs in vielfältiger Weise bemächtigte. Bunt und handkoloriert präsentierten sich die Grußkarten um 1900. Nüchterner und fotografisch genau wurden dann im 20. Jahrhundert die Grüße aus der Ferne versandt.