Anekdoten

Irenes Ring

Irenes Ring

Zu den Lieblingsgestalten des Lorcher Klosters gehört Königin Irene von Byzanz (um 1181-1208). Der Dichter Walther von der Vogelweide setzte der Kaisertochter ein literarisches Denkmal und bezeichnete sie als "Rose ohne Dornen". Bis heute ist Irene unvergessen, es gibt allerdings keine Zeugnisse aus ihrem Leben. Als man im frühen 19. Jahrhundert an der Stelle der ehemaligen Sakristei der Klosterkirche einen fein gearbeiteten Emailring in Goldfassung fand, schrieb man ihn unbesehen und unbewiesen dem Besitz der Königin zu. Noch im 19. Jahrhundert begann ein Lorcher Goldschmied, Kopien des Rings anzufertigen. Obwohl der originale Ring längst verloren ist, kann man auch heute noch den "Irenen-Ring" erwerben. Eine Kopie ist in der Lorcher Klosterkirche zu sehen.

 

Kruzifix

Die echte Kreuzreliquie

Auch in Kloster Lorch soll es, wie an vielen Orten der Welt, ein Rest des Heiligen Kreuzes gegeben haben. Das Stück Holz wurde als Reliquie in einem vergoldeten silbernen Kreuz aufbewahrt, das in eine ebenfalls gold- und silbergeschmückte Tafel eingebracht war. Um die Echtheit dieser Reliquie zu prüfen, schnitt der Lorcher Mönch Nikolaus Vener von Gmünd ein Stück Holz ab und legte es ins Feuer. Da das Holzstück unverbrannt blieb, galt das Kreuzpartikel nunmehr als echt. Diese Geschichte erzählte 1484 der Lorcher Mönch Wilhelm von Schächingen.

 

Der kleine Fritz in Lorch

Schillerhaus

Der spätere Dichter Friedrich Schiller lebte zwischen seinem vierten und siebten Lebensjahr in Lorch. Aus den Erinnerungen seiner Schwester Christophine hat die Nachwelt einiges über die drückenden Schuljahre und die freudvollen Spiele der Schiller-Kinder auf dem Klosterberg erfahren. Besonders eindrucksvoll ist der Bericht über die Neigung des jungen Schiller zu "Pfarrerspielen": "Mutter und Schwester mussten dem Knaben eine schwarze Schürze umbinden und ein Käppchen aufsetzen, dabei sah er sehr ernsthaft aus. Wer zugegen war, musste zuhören, und wenn jemand lachte, wurde er unwillig und lief fort und war so bald nicht wieder zu sehen."

 

 

Ansicht von Kloster Lorch


Des Dichters Rückzugsort

"...wahr aber ist, ich lebe hier, Essen und Trinken abgerechnet, fast nur vom Genuß der Gegend, insbesondere der Luft, und habe kaum noch eine Feder angerührt. Wir haben hier vollkommen, was wir brauchen, was Gretchen fast noch mehr als ich bedurfte: die lang ersehnte absolute Ruhe und Stille"... diese Zeilen notierte Eduard Mörike in seinen ersten Tagen in Lorch, wo er sich in den Jahren 1867 bis 1869 aufhielt. Hier suchte - und fand - er vor allem ländliche Zurückgezogenheit.

 

 

Staufenlinde Lorch


Die Staufenlinde

Zu Lorch im alten Kloster ragt hoch ein Lindenbaum.
Es flog durch seine Krone manch hoher Kaisertraum:
Die Wipfel flüstern heimlich von alter Heldenzeit,
Die Blätter glänzen milde in frischer Herrlichkeit.

Einst sah der zarte Schößling der Staufen junge Pracht:
Die zogen vom Schwabenschlosse hinaus in froher Macht;
Und rasch von Land zu Lande bis an das blaue Meer
Schwang sich der deutsche Adler im Fluge stark und hehr.

Doch bald sank hin im Kloster der Staufer stolzer Arm;
Hier trugen sie zur Ruhe die Helden bittrem Harm.
Hier durfte einst Irene der Erdennot entfliehn:
Ach, ringsum stille Grüfte! Die Herrlichkeit dahin! (...)


Heinrich Lauxmann

Weitere Informationen zu Lorch
 
 
Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook