Berühmte Personen

Benediktinermönch

Benediktiner

Die Mönche des ältesten katholischen Ordens leben nach der "Benediktregel". Sie fordert Verzicht auf persönliches Eigentum, Keuschheit, Gehorsam und Ortsbeständigkeit. Die Benediktinerklöster waren nicht nur Orte des Gebets und eines auf Gott ausgerichteten Lebens, sondern auch der Wissenschaft und der Kunst. So trugen die Mönche durch ihre Übersetzer- und Kopiertätigkeit maßgeblich zur Ausbreitung des philosophischen und naturwissenschaftlichen Wissens der Antike und des Orients im christlichen Europa bei. In ihren Klöstern wurde die Buchbinderei betrieben, optische Geräte für die Beobachtung der Himmelskörper entwickelt und die Wassermühlen als Kraftquellen entdeckt. Heute widmet sich der Orden u.a. der Ökumene, der Bibelwissenschaft, der Theologiegeschichte und der Missionsarbeit in Afrika und Ostasien. In Lorch lebten bis zur Aufhebung des Klosters Benediktinermönche.

Friedrich I.

Herzog Friedrich I. von Schwaben
(um 1047-1105)
Am Osterfest des Jahres 1079, das Kaiser Heinrich IV. mit seinem Gefolge in Regensburg feierte, übertrug er Graf Friedrich die schwäbische Herzogswürde und gab ihm seine Tochter Agnes von Waiblingen zur Frau. Der Staufer als treuer Parteigänger des Kaisers trug auch mit seinen Hausgütern dazu bei, die Stellung Heinrichs zu festigen. Für den neuen Herzog von Schwaben bedeutete das Herzogsamt eine besondere Machtposition und verschiedene Vorrechte, die enge verwandschaftliche Nähe zum Kaiserhaus brachte beträchtlichen Prestigegewinn. Allerdings ließ die aktuelle politische Lage eine Verwirklichung seines Herrschaftsanspruchs kaum zu, da sein Amt von der Papstpartei und deren Gegenherzog nicht anerkannt wurde. Erst 1098 konnte ein Kompromiss gefunden werden, der die einzelnen Herrschaftsbereiche festlegte. Nun war Herzog Friedrich in der Lage, seine Machtbasis zu erweitern und zu einem geschlossenen, verteidigungsfähigen Herrschaftsgebilde zu festigen. Dies geschah vor allem durch systematischen Landesausbau: Burgen- und Städtegründungen, Erwerb von grundherrlichen und hoheitsrechtlichen Gerechtsamen durch Kauf oder Tausch, Erwerb von Kirchenlehen, Kloster- und Kirchenvogteien, Binnenkolonisation durch Rodung. Herzog Friedrich schenkte 1102 Kloster Lorch dem Papst und wählte es als Grablege für seine Dynastie.

memorial plaque for Irene

Königin Irene (um 1181-1208)

Über die byzantinische Kaisertochter und staufische Königin Irene, die im Chor der Klosterkirche in Lorch begraben wurde, ist nur wenig bekannt. Um das Jahr 1181 wurde sie in Konstantinopel als Tochter des Kaisers Isaak II. von Byzanz aus dem Hause Angelos (1155-1204) geboren. Sie war in erster Ehe vermählt mit Roger V., Mitkönig von Sizilien (um 1180/81-Anfang 1194), der kurz nach der Heirat starb. Im Jahre 1194 wurde sie in Sizilien bei der Einnahme von Palermo durch Kaiser Heinrich VI. gefangengenommen und 1195 in Bari mit dessen Bruder Philipp von Schwaben vermählt. Durch diese Heirat gelangte sie nach Schwaben auf die Burg Hohenstaufen. Von ihren sieben Kindern starben drei als Kleinkinder oder bei der Geburt. Sie sind ebenfalls in Lorch beigesetzt. 1208 - das Jahr, in dem man ihren Mann ermordet hatte - starb sie bei der Geburt ihres siebten Kindes auf dem Hohenstaufen.
In die Literatur hat Irene durch den 1202/3 von Walther von der Vogelweide gedichteten "Ersten Philipps-Ton" Eingang gefunden. Hier wird sie als "hochgeborniu küneginne" (hochwohlgeborene Königin) bezeichnet und mit dem Madonnen-Beiwort "rose ane dorn, ein tube sunder gallen" ("Rose ohne Dornen, Taube ohne Galle") bezeichnet. Am 16. Dezember 1898 wurde in der Klosterkirche feierlich eine Gedenktafel an die Kaisertochter enthüllt, deren Schicksal und Tod die Menschen der Zeit sehr bewegten.

Grabmal Schenk von Arberg

Abt Nikolaus Schenk von Arberg (1462-1477, gest. 1479)

Schenk von Arberg begleitete 1462 die Einführung der Melker Reform in Lorch und förderte die bauliche Erneuerung des Klosters: Unter seiner Leitung wurde der romanische Chor in seine noch heute erhaltene spätgotische Form gebracht und der Kreuzgang erneuert. Ebenso veranlasste er die Aufstellung der Staufer-Tumba im Mittelschiff der Klosterkirche. Doch damit nicht genug: Schenk von Arberg ließ die vernachlässigte Kirche St. Ägidien ante portam monasterii wieder herstellen, verschönern und ihre Altäre neu weihen. Außerdem sorgte er 1463 für die Wiederherstellung der Nikolauskapelle. Das Wappen dieses für Lorch bedeutenden Abtes "In Gold ein auf grünem Hügel nach links springender Hirsch" ist in einem der Lorcher Chorbücher abgebildet.

Abt Laurentius Autenrieth

Abt Laurentius Autenrieth (1525-1548, gest. 1549)
Laurentius Autenrieth wurde um 1483 als Sohn des Blaubeurer Müllers Conrad Utenrieth geboren. Er trat um 1500 ins Kloster Blaubeuren ein und wechselte um 1505 nach Lorch. Dort wurde er 1508 Kustos, in dieser Funktion war er 1511/12 als Schreiber an der Herstellung der Lorcher Chorbücher beteiligt. Berühmt ist außerdem sein Schriftmusterbüchlein von 1520. Als Prior von Lorch wurde Autenrieth 1525 zum Abt gewählt, über die Wahlhandlung ist eine ausführliche Urkunde erhalten. Auch nach der Aufhebung des Klosters 1535 blieb er Abt.
Sein Nachfolger ließ ihm ein Grabmal im südlichen Seitenschiff errichten, dessen lateinische Inschrift übersetzt lautet: "Wanderer! In diesem Grabmal hast du vor dir die Gebeine des sehr frommen und trefflichen Mannes Lorenz, Vater und Abts des Klosters Lorch, welcher tapfer mit höchster Geisteskraft und Ausdauer 15 Jahre lang gegen die Kirchentrennung der Lutheraner ausgehalten und den Armen beizustehen gelernt hat. Nun ist er in die gemeinsame Heimat als treuer Christ und Katholik abgegangen, nachdem er dem Kloster 24 Jahre lang vorgestanden. Er ging heim im Jahre des Herrn 1549, im sechsundsechzigsten seines Lebens, am 17. Februar. Seine Seele lebe in Gott fort. Amen."

Herzog Ulrich

Herzog Ulrich von Württemberg (1487-1550)

Ulrich von Württemberg verbrachte eine unglückliche Kindheit: Seine Mutter starb nach seiner Geburt, der geistesgestörte Vater wurde 1490 auf Hohenurach festgesetzt. Seine Vormünder, die verschiedene politische Interessen verfolgten, gestalteten die Erziehung und Ausbildung des Knaben nachlässig. Als Erwachsener zeichnete sich Ulrich durch Rücksichtslosigkeit und Misstrauen gegenüber den Menschen in seiner Nähe aus. Sein privates und politisches Leben war turbulent, so verlor er für lange Jahre sein Herzogtum, als der Schwäbische Bund dieses Karl V. überließ. Wohl anlässlich ihrer Hochzeit im Jahr 1511 unterstützten er und seine Frau, Sabina von Bayern, als Hauptstifter die Herstellung der Lorcher Chorbücher: Auf der ersten Seite des Lorcher Graduale findet man ein Dedikationsbild, in dem beide in festlicher Kleidung und mit ihren Wappen dargestellt sind. Nach seiner Rückkehr ins Herzogtum 1534 begann Ulrich mit der Einführung der Reformation - auch in Kloster Lorch - und stellte so entscheidende Weichen im Erziehungs- und Bildungswesen. Herzog Ulrich von Württemberg starb 1550 und liegt in der Stiftskirche in Tübingen begraben.

Herzog Christoph

Herzog Christoph von Württemberg (1515-1568)

Im Jahr 1515 brachte Sabina von Bayern, Herzogin von Württemberg, in Schloss Urach den württembergischen Thronfolger Christoph zur Welt und floh, unter den Drohungen ihres Gatten ihre beiden Kinder zurücklassend, zu ihren Brüdern, den bayerischen Herzögen Wilhelm und Ludwig. Erst nach dem Regierungsantritt ihres Sohnes Christoph 1551 konnte sie nach Württemberg zurückkehren. Der einst zurückgelassene Sohn, dem sein Vater zeitlebens mit großem Misstrauen begegnete, wurde in Innsbruck am Hof Ferdinands I. erzogen. Er war lange Zeit in dynastische Konflikte verwickelt. Herzog Christoph schrieb die lutherische Ausrichtung der württembergischen Kirche endgültig fest, richtete, u.a. in Kloster Lorch, zur Theologenerziehung dreizehn Klosterschulen ein und übernahm die politische Führungsrolle des deutschen Protestantismus. Sein Hof im Alten Schloss in Stuttgart war der eines Renaissancefürsten, der höfische Repräsentation und Selbstdarstellung sehr hoch schätzte. Herzog Christophs Regierungswerk legte für über zweihundert Jahre die Grundlage für Württembergs Staatswesen.

Jakob Brack

Klosteramtmann Jakob Friedrich Brack
(1692-1760)
Der Klosteramtmann Brack kam 1719 nach Lorch. Er verfasste das Lorcher Fleckenlagerbuch von 1724. Das sehr sorgfältig erarbeitete Buch diente dazu, die Steuerpflichten der Lehensinhaber festzulegen. Über diese Auflistungen hinaus notierte Brack historische Informationen und beschrieb die Markung Lorch anschaulich und detailliert. Brack verfasste auch die "Nachrichten vom Kloster Lorch", in denen er "alles dergestalt aus unterschiedlichen bewährten Manuscriptis und Autoribus mit Fleiß colligirt und auf das kürzeste beschrieben" habe.

Friedrich Schiller

Friedrich Schiller (1759-1805)

Friedrich Schiller wurde am 10.11.1759 in Marbach am Neckar als Sohn des Militärwundarztes Johann Caspar Schiller geboren. Kindheit und Jugend verbrachte er in ärmlichen Verhältnissen. Während der Jahre 1763 bis 1766 lebte er in Lorch, da sein Vater eine Stelle als Werbeoffizier in Schwäbisch Gmünd innehatte. Friedrich Schiller besuchte später die Lateinschule und trat auf Befehl des Herzogs Carl Eugen 1773 in die Hohe Carlsschule ein, wo er 1776 Medizin studierte. 1780 wurde Schiller Regimentsmedicus in Stuttgart. Wegen der Aufführung der "Räuber" in Mannheim erhielt er Arrest und Schreibverbot. Schiller floh über Mannheim, Leipzig, Dresden nach Weimar. 1789 wurde er zum außerordentlichen Professor der Geschichte und Philosophie in Jena ernannt. 1799 siedelte er erneut nach Weimar über, wo er am 9.5.1805 starb.

Eduard Mörike

Eduard Mörike (1804-1875)

Mörike wurde am 8.9.1804 in Ludwigsburg geboren. Dort besuchte er die Lateinschule und ab 1818 das Seminar in Urach. 1826 begann er seine Tätigkeit als Vikar in Nürtingen, 1827/1828 arbeitete er als Redakteur bei einer Zeitschrift. Von 1834 bis 1843 war er Pfarrer im Ort Cleversulzbach. Mörike ließ sich, ohne ausreichende finanzielle Absicherung, vorzeitig pensionieren, er war dann unter anderem Literaturlehrer in Stuttgart, 1855 Hofrat und erhielt 1856 eine Professur. In den Jahren 1867 bis 1869 hielt Mörike sich in Lorch auf, wo er Kloster, Landschaft und die gute Luft schätzen gelernt hatte. Ab 1871 lebte Mörike in Stuttgart, wo er 4.6.1875 starb. Eduard Mörike gehört zu den bedeutendsten Lyrikern und eigenwilligsten Erzählern der deutschen Sprache.

Aufnahme Lorents

Jakob August Lorent (1813-1884)
Lorent wurde 1813 in den USA geboren, zog schon als Fünfjähriger nach Mannheim, wo er Erbe seines reichen Pflegevaters wurde. Er studierte Naturwissenschaften, promovierte 1836 und unternahm danach ausgedehnte Reisen im Orient und im Mittelmeerraum. Lorent wurde zu einem der bedeutendsten Architekturfotografen des 19. Jahrhunderts, der historische Bauwerke mit wissenschaftlicher Genauigkeit aufnahm und katalogisierte. Lorents Interesse an mittelalterlicher Architektur konzentrierte sich vor allem auf romanische und gotische Klöster: Er hielt Kloster Lorch in unterschiedlichsten Ansichten fotografisch fest. Diese frühen Fotos berichten nicht nur vom Zustand des Klosters um 1866, sondern strahlen auch für den heutigen Betrachter einen besonderen Charme aus.

Weitere Informationen zu Lorch
 
 
Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook