Kloster Lorch, heute vor allem bekannt als Grablege der Staufer, hatte im Laufe des Mittelalters viele Förderer und Stifter. Zwei Familien waren für seine weitere Geschichte von großer Bedeutung: die Ritter von Woellwarth und die Ritter von Schechingen, niederadelige Familien aus der Region. Sie traten ab dem 13. Jahrhundert vermehrt als Stifter auf. Immer wieder wurden Mitglieder der Familien Äbte oder übernahmen Aufgaben der Klosterverwaltung. Seit dem Ende des 14. Jahrhunderts bestatteten die Woellwarth und die Schechingen ihre Toten in der Klosterkirche. Dafür nutzten sie die Querschiffe der Kirche: im Norden, in der Mauritiuskapelle, die Woellwarth, im Süden, in der Bartholomäuskapelle, die Schechingen. Die Bestattungen waren, wie im Mittelalter üblich, mit Stiftungen und Schenkungen an das Kloster verbunden. Als Gegenleistung hielten die Ordensgeistlichen regelmäßig Gottesdienste für das Seelenheil der Stifter. Dadurch pflegten sie das Gedenken an die Toten der Familie.
Im 15. Jahrhundert ließen die Woellwarth ihre Gräber zu einer richtigen Grabkapelle zusammenstellen: eine Wand trennte seither das Querschiff, die Mauritiuskapelle, vom Rest der Kirche. Neue Grabplatten entstanden, teilweise wurden sie an den Wänden aufgestellt. Die Trennmauer zur Vierung hin fiel erst wieder am Ende des 19. Jahrhunderts, als bei den Instandsetzungsarbeiten die Kirche von Einbauten befreit wurde.
Bis heute befinden sich die Grabplatten der beiden Familien in der Kirche. Die Grabmale sind wertvolle kunsthistorische Zeugnisse der Bildhauerkunst aus dem späten Mittelalter und der frühen Renaissance. Besonders interessant für viele Besucher: Einer der Ritter ist als Toter dargestellt, teilweise verwest und von Schlangen und Kröten bewohnt. Obwohl eine Legende erzählt, dieser Ritter sei einem Jagdunfall zum Opfer gefallen und sein Leichnam sei erst in diesem Zustand gefunden worden, ist die Wahrheit viel weniger dramatisch: Im späten Mittelalter war es ein verbreitetes Motiv, demütig auf die Vergänglichkeit des Menschen hinzuweisen - insbesondere, wenn man zu denen gehörte, die in der Welt Macht und Reichtum besaßen.
Mehr Informationen zu den einzelnen Grabmälern der Woellwarts gibt es unter >>> Die Woellwarts und ihre Grabmäler.