Um 1100 wird die Geschichte des Benediktinerklosters nachvollziehbar: Der Stauferherzog Friedrich von Schwaben, seine Frau Agnes und seine Söhne Friedrich und Konrad schenken das bereits bestehende Kloster in Lorch dem Papst in Rom. Die Stiftungsurkunde von Lorch, auf den 3. Mai 1102 datiert, bezeugt für die Nachwelt die Übertragung des Klosters an den Papst als Oberhaupt der Kirche durch Friedrich von Schwaben und seine Familie.
Doch welche Motive führten zu dieser Schenkung? Die Mönche des Klosters waren zum das immerwährende Gebet für das Seelenheil der Familie verpflichtet, im Kloster entstand eine Familiengrablege, außerdem festigte der Herzog mit dem Kloster seine Macht im staufischen Kernland.
Von den Staufern zu den Württembergern
Wie entwickelte sich Lorch vom staufischen Hauskloster zum württembergischen Kloster? Im 12. Jahrhundert sicherten sich die Grafen von Württemberg die Vogtei des Klosters, 1304 wurde das Vogteirecht an Württemberg verpfändet. Im 15. Jahrhundert war Lorch in die württembergischen Verhältnisse eingebunden, der jeweilige Abt saß auf der Prälatenbank des Landtages. Das gab Herzog Ulrich von Württemberg das Recht, bei der Einführung der Reformation das Kloster aufzuheben und dem Staatsvermögen zuzuführen.
Adelige Mönche
Man weiß nicht viel über die ersten Jahrhunderte des Klosters. Nicht einmal die Zahl der Mönche, die in Lorch lebten ist bekannt. Nach den Familiennamen zu urteilen, stammten sie bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts wohl vor allem aus dem Adel. Seinen Besitz konnte das Kloster durch Stiftungen und Schenkungen vermehren.
Reform und Blütezeit
Insgesamt erlebte Kloster Lorch seit dem Niedergang der Staufer wenig glanzvolle Zeiten. Doch die innere Krise im 14. und 15. Jahrhundert erfasste fast alle Klöster: Eine Verweltlichung setzte sein, die Mönchsregeln wurden nur noch nachlässig befolgt. Eine Reform des Klosterlebens in den südwestdeutschen Klöstern ging von Wiblingen aus. 1462 wurde auch in Lorch die Reform eingeführt, die Folge: eine wirtschaftliche Blütezeit begann. Lorch, im 14. Jahrhundert noch selbst verschuldet, konnte nun den Grafen von Württemberg Kredit geben. Ein äußeres Zeichen für den Erfolg der Reform in den Klöstern war der Bauboom. Der Lorcher Abt ließ Kirche und Kreuzgang umbauen. Weiteres Zeichen des Erfolgs: das Erstarken der Klosterkultur, die Lorcher Chorbücher entstanden. Erst der Bauernkrieg führte zu einem jähen Ende der klösterlichen Blütezeit.
Klostergeschichte ohne Mönche
Nach der Aufhebung des Klosters existierte in Lorch ein württembergisches Klosteramt mit einem herzoglichen Klosterverwalter. Äbte gab es weiterhin: Sie waren als Vertreter des Klosteramtes Mitglieder im württembergischen Landtag und seit 1727 auch Kanzler der Universität Tübingen. Im Jahr 1806 wurde das Kloster säkularisiert.
Nach 1820 waren in Lorch Forstamt und königliches Kameralamt untergebracht.
Heute befindet sich in der Klosteranlage eine Pflegeeinrichtung der Evangelischen Heimstiftung und die Altenpflegeschule des Diakonischen Instituts. Darüber hinaus ist die Klosteranlage für alle Interessierten zur Besichtigung geöffnet.
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