Münster St. Maria und Markus

Pirminbild

Im Jahr 724 wurde das Kloster auf der Bodenseeinsel Reichenau von Wanderbischof Pirmin - offenbar mit Unterstützung unter anderem des fränkischen Hausmeiers Karl Martell - gegründet. Der Benediktinermönch ließ sich dort mit 40 Glaubensbrüdern nieder, zog allerdings schon nach drei Jahren weiter. Seine Nachfolger entwickelten aus dieser Keimzelle unter den Karolingern ein blühendes Kloster, das bedeutende Äbte mit Beziehungen zu den höchsten Fürsten der Zeit hervorbrachte.

Mittelzell, Turm

Das Kloster wurde wichtiger Impulsgeber für die europäische Zivilisation und gedieh zum religiösen und geistig-kulturelles Zentrum Europas. Hier wurde beispielsweise der berühmte St. Galler Klosterplan entworfen, ein Regelwerk für den Klosterbau und eines der wichtigsten Dokumente des abendländischen Mönchtums. Die Äbte des Klosters fungierten als Beamte bei Hof, als Prinzenerzieher, Diplomaten und Gesandte des Kaisers.

Mittelzell, Kirche

Zu den bedeutenden Äbten des Klosters gehören Waldo, der für Karl den Großen Italien bereiste, Heito I. (806-822), Bischof von Basel und Freund Karls des Großen und Wahlafried Strabo (838/842-849), ein Gelehrter und Dichter, der auch Erzieher am Aachener Hof war. An ihn erinnert heute auch ein Kräutergarten, der an der selben Stelle angelegt ist, an der einst Wahlafrieds Kräutergarten aus dem Jahr 840 gedieh.

Initialen in einem liturgischen Lesebuch

Im 10. und 11. Jahrhundert war die Abtei Sitz einer berühmten Schule der Buchmalerei, deren Werke noch heute in den großen Bibliotheken der Welt zu finden sind. Die Mönche verfassten Prachthandschriften mit Miniaturen und prunkvollen Initialen für einflussreiche Auftraggeber wie Kaiser Otto III. und Heinrich II. Hierfür verwendeten sie Gold, Silber, Purpur und für die Einbände Edelmetalle und Elfenbein.

Initialen in einem liturgischen Lesebuch

Auch die Reichenauer Klosterbibliothek war im frühen und hohen Mittelalter europaweit bekannt: sie umfasste Hunderte von Bänden. Heute verwahrt die Landesbibliothek Karlsruhe die Überreste dieses Bücherschatzes, darunter 270 Pergamenthandschriften.

St. Maria und Markus

Aus dem einfachen hölzernen Kirchenbau Pirmins wurde bereits im frühen 9. Jahrhundert eine neue Abteikirche, von der noch Teile des Mittelschiffs und die Seitenwände des Altarhauses erhalten sind. In den folgenden Jahrhunderten wurde die bestehende Kreuzbasilika oft verändert, umgebaut und erweitert. Die frühe Kirche von 816 blieb in Teilen immer Bestandteil des Gotteshauses. Zahlreiche Kloster- und Verwaltungsgebäude und Höfe entstanden auf der blühenden Klosterinsel und prägen bis in unsere Zeit das Bild der Insel im See.

Während des "Goldenen Zeitalters" der Reichenau wurden zahlreiche Reliquien gesammelt. Diese Kostbarkeiten werden heute noch in ihren kostbaren Schreinen in der Münsterschatzkammer aufbewahrt. An Festtagen trägt man sie in feierlichen Prozessionen über die Insel. Zu den bedeutendsten gehören Reliquien des Evangelisten Markus, der Krug der Hochzeit zu Kana und die Heilig-Blut-Reliquie.


Luftbil Kloster St. Maria und Markus

Im 11. Jahrhundert kam es trotz des hohen kulturellen und wissenschaftlichen Niveaus der "reichen Au" zum Niedergang, die Abtei verarmte. Zu den Ursachen dieses Verfalls zählen neben der zunehmenden Verweltlichung der Äbte und "Klosterherren" auch ein verheerender Brand im Jahr 1235. Seit 1540 war der Bischof von Kostanz, ein alter Rivale der Reichenauer Äbte, gleichzeitig Herr der Reichenau. Im Jahr 1803 fiel mit der Säkularisation der Klosterbesitz an den Staat, die Abtei wurde aufgelöst.

 

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