Ein Heiliges Grab war früher in vielen katholischen Kirchen zu finden. Es zeigt den toten Christus im Grab. Die Darstellung ist meist ganz realistisch und anschaulich – kein Wunder, diente doch das Ensemble dazu, den Tod Christi den Gläubigen ganz plastisch, ja sogar dramatisch während der Gottesdienste vor Augen zu führen. Ganz barocke Theatralik, sollte es die Menschen erschüttern und ihnen durch die starke Emotion die Botschaft besonders deutlich machen.
Karfreitags
Karsamstags
Wandlungsfähig ist auch der Aufbau des Grabes: In der oberen Hälfte öffnet sich ein Tabernakel, umgeben von Wolken und Puttenköpfen. Der Tabernakel kann gedreht werden und bietet drei Ansichten. Um den dramatischen Eindruck des Ensembles zu verstärken, hatte das Heilige Grab eine effektvolle Beleuchtung mit Leuchterarmen und Halterungen für Lampen, die sich zum großen Teil erhalten haben. Raffiniert: In den Seitenwänden der Grabnische befinden sich versteckte Nischen für Kerzen, die das dramatische Geschehen effektvoll seitlich beleuchten. Und um den Effekt des Kerzenlichts noch zu erhöhen, sind auf dem Felsen kleine Glassplitter angebracht: Sie reflektieren das flackernde Licht.
Um 1790 schuf Georg Schäfer das Heilige Grab für das südliche Querhaus der Klosterkirche Schöntal. Man ersetzte damals wahrscheinlich ein früheres Grab aus dem Jahre 1685. Genutzt wurde es bis etwa 1955 für Gottesdienste und Andachten zwischen Gründonnerstag und Ostern. In späteren Jahren verstaute man das unmoderne Gottesdienstrequisit auf einer Empore. Erst im vergangenen Jahr konnten die großformatigen Einzelteile mit einem Kran von ihrem Verbannungsort gehoben und sicher im Kirchenschiff abgesetzt werden. Über ein Jahr betreuten die Restauratoren der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg das barocke Grab. Der Zahn der Zeit hatte für Risse, Abbrüche, morsche Stellen im Holz und gelockerte Verbindungen gesorgt. Das alles kam bei den sorgfältigen Untersuchungen zum Vorschein. Die Restauratoren sicherten und reinigten die Farbfassung und die Holzteile. Eine wesentliche Aufgabe war es auch, das kostbare Objekt von den typischen Holzschädlingen zu befreien.
Rücktransport der Heiligen Grabes
Jetzt steht das Heilige Grab nach aufwendigen Restaurierungsarbeiten durch die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg wieder am historischen Ort. Und: Es soll kein Museumsstück werden! Die katholische Kirchengemeinde Schöntal wird das Heilige Grab wie einst wieder in die Gottesdienste der Passionszeit integrieren. In der Karwoche kann man mit der Gemeinde das Mysterium der Grablegung und Auferstehung leibhaftig erleben – wie schon vor über 200 Jahren. Außerhalb von Gottesdiensten ist das Heilige Grab in der Kirche zu besichtigen: Es steht an seinem ursprünglichen Ort im linken Seitenschiff, sicher hinter dem reich geschmückten barocken Chorgitter. Und wer die Großskulptur ganz aus der Nähe erleben und mehr darüber erfahren will, hat dazu bei Führungen in der Kirche Gelegenheit.
► Kirchenführungen
Katholisches Pfarramt Schöntal
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► Führungen in Kloster Schöntal:
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