Ausgabe  1 - 2012   

Gepflogenheiten bei Hofe



Kurfürstin Elisabeth Auguste, um 1760 gemalt, vermutlich von Johann Georg Ziesenis

Am 17. Januar 1742 feierten fast 600 Gäste in Schloss Mannheim zwei fürstliche Brautpaare: Elisabeth Auguste heiratete Carl Theodor von Pfalz-Sulzbach. Ihre Schwester, Maria Anna, ehelichte Herzog Clemens Franz von Bayern. Die Doppelhochzeit war ein rauschendes Fest. Es war das glanzvollste Ereignis, das die kurpfälzische Residenz je gesehen hatte.

14 Tage dauerten die Feierlichkeiten mit Festbanketten, Maskenbällen, einer Hochzeitsoper und einem spektakulären Feuerwerk in der illuminierten Stadt. Aber aus Liebe gaben sich die beiden Paare nicht das Ja-Wort. Es ging um arrangierte Verbindungen zum Machterhalt. In diesen Kreisen zu jener Zeit gängige Praxis. Elisabeth Auguste hatte eine Schwäche für attraktive Männer: unter ihren Liebhabern war auch ihr Schwager. Und Carl Theodors überlebende Nachkommen stammten nicht von seiner Gemahlin...

Schloss Mannheim: Dame und Herr beim Kaffeetrinken. Frankenthaler Porzellan, Modell von Johann Friedrich Lück (1759-1762)

Wie lief im 18. Jahrhundert ein Festbankett ab? Welche Leckereien schufen Konditoren als Dessert? Beliebt waren Sahneeis und Fruchtsorbets und allerlei Zuckerwerk. Zum Abschluss des Mahls tranken die Herrschaften einen Kaffee oder eine Schokolade. In Schloss Mannheim werden regelmäßig Sonderführungen angeboten, die "Vom Tafel-Ceremoniell" berichten.

Ein Putto mit aufgeblasenen Backen steht für den Wind und das Element Luft

Historischer Wandschmuck bestimmt im Neuen Schloss Meersburg das Einrichtungskonzept. Besucherinnen und Besucher können die aufwendigen Stuckaturen in den Schlossräumen von Ende April an wieder in Augenschein nehmen. Denn die ehemalige Residenz der Fürstbischöfe von Konstanz wird nach grundlegender Sanierung wieder eröffnet.

Im Rahmen unserer Serie über Kabinette, Raumschöpfungen des Barock, stellen wir Ihnen dieses Mal Herzog Eberhard Ludwigs Lackkabinett im Alten Hauptbau des Schlosses Ludwigsburg vor. Es ist ein kostbares Zeugnis einer Epoche, in der "Chinesisches", "Japanisches" oder "Indianisches" hoch geschätzt war. Nur exotisch musste es aussehen! Das Lackkabinett präsentiert sich bis heute in nahezu unverändertem Zustand.

Lackkabinett Schloss Ludwigsburg: Figuren in orientalischer und indianischer Tracht


Wer sich einen Eindruck davon verschaffen möchte, wie es bei einem barocken Fest zuging, der sollte eine "Soirée Royale" in Schloss Ludwigsburg besuchen. Die Gäste erleben in stilechter Garderobe einen Abend mit Spiel, kulinarischen Genüssen, Tanz und allerlei Überraschungen. Begleitet von einem Gastgeberpaar. Wir sprachen mit beiden über ihre Verwandlung zur Hofkammerrätin bzw. zum Obersthofmarschall.

 

Soirée Royale, ein barockes Fest in Schloss Ludwigsburg


In der Rubrik "Vitrine" stellen wir dieses Mal einen Kaminschirm aus Schloss Schwetzingen vor. Die "stille-Örtchen-Ausstellung" erzählt wie man ohne Wasser mit Hilfe von Puder "sauber" werden konnte. Der Ausflugstipp führt zur Burgruine Hohenbaden, wo das Haus Baden vor 900 Jahren seinen Ausgang nahm. Neben weiteren interessanten Themen hält das Heft auch Veranstaltungstipps mit Hinweisen auf Sonderführungen bereit. Ein ausführlicher, ständig aktualisierter Veranstaltungskalender ist über dieses Internet-Angebot abrufbar.

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