Baden-Baden: Ausflug zu den Anfängen des Hauses Baden
Wer vom eleganten Kurviertel Baden-Badens hinauf in Richtung Altstadt blickt, der sieht die Ruine von Burg Hohenbaden, das ehemalige "Alte Schloss", inmitten von Wald hoch über der Stadt thronen. Es liegt nicht weit entfernt vom Neuen Schloss, der späteren markgräflichen Residenz. Noch eindrucksvoller als der Blick hinauf ist aber der von der Burg hinunter – auf Baden-Baden und seine umliegenden Höhenzüge, auf die nahe gelegene Yburg, auf Rastatt, in die Rheinebene und bis zu den Vogesen.
In mehreren Ebenen staffeln sich die Gebäude der Burganlage hinauf bis zum höchsten Punkt, dem Bergfried. Auf dem steilen Battertfelsen, der Murg- und Oostal voneinander trennt, errichtete Hermann II. im frühen 12. Jahrhundert eine hochmittelalterliche Anlage im Stil der Stauferburgen. Mit dem 18 Meter hohen quadratischen Turm schuf man ein frühes Beispiel für einen Bergfried. Er diente nur der Verteidigung, nicht aber zum Wohnen – dafür gab es den angrenzenden Palas. Wohl um 1391, mit der Wiedervereinigung der zuvor geteilten Markgrafschaft unter Bernhard I., wurde die Burg Residenz – und zur heutigen Größe ausgebaut.
Man stockte den Palas auf, trug Teile des Felsens ab und errichtete an dessen Fuß neue Gebäude. Über mächtigen Kellern, in denen man Wein, Fleisch und Eisblöcke lagern konnte, schuf man einen Saalbau, das Kernstück der Anlage. Mit seinen rund 14 mal 24 Metern Grundfläche zählte er zu den größten und aufwendigsten Wohn- und Repräsentationsbauten der Zeit in Deutschland. Auch die Vorburg erweiterte man unter Bernhard I., überbaute die früheren Zwinger und errichtete neue – eine zweite Burg im Grunde, die die ältere ergänzte. Erst Mitte des 15. Jahrhunderts wurden beide Ensembles auch baulich verbunden.
1479 allerdings hatte Hohenbaden als Residenz ausgedient: Markgraf Christoph I. verlegte seine Residenz ins Neue Schloss – eine Renaissanceanlage unmittelbar oberhalb des Marktplatzes der Stadt. Nach Christophs Tod teilten seine drei Söhne das Erbe, doch der älteste starb wenige Jahre später. Seit 1535 gab es daher erneut zwei Linien: Baden-Baden und Baden-Durlach, und das sollte noch für mehr als 200 Jahre so bleiben.
Über das Leben der Badener auf der Burg, die 1597 durch einen Brand zerstört wurde, ist relativ wenig bekannt. Um 1428 war Bernhard II. hier geboren worden, jener Markgraf, der im Auftrag des Kaisers durch Europa reiste, um für einen Kreuzzug gegen die Türken zu werben und unterwegs mit nur 30 Jahren im italienischen Moncalieri starb. 1769 wurde er auf Betreiben seines Nachfahren August Georg von Baden-Baden selig gesprochen und zum Schutzpatron der Familie erkoren.
Wie stimmungsvoll es hier, hoch über der Stadt, zu jeder Jahreszeit sein kann, das hatten zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Mitglieder der badischen Großherzogsfamilie und ihre preußischen Verwandten entdeckt. Zeitgleich mit den Anfängen des Kurwesens in Baden-Baden begann man die Burgen rund um die Stadt als romantisches Ausflugsziel zu schätzen, zu sichern und touristisch zu erschließen.
Noch heute ist das "Alte Schloss" ein magischer Ort für Wanderer. Trittfest sollte man allerdings sein, ob auf der Burg oder beim Spaziergang rund um den Battert. Wer bei einem Besuch auf der Burg merkwürdige Töne im Wind vernimmt, hört Deutschlands größte Windharfe klingen. Dieses moderne, mehr als vier Meter hohe Instrument befindet sich in der südlichen Wand des ehemaligen Rittersaals.
Sandra Eberle
Öffnungszeiten: Die Burgruine ist ganzjährig auf eigene Gefahr zugänglich. Im Rahmen von Sonderführungen können Interessierte mehr erfahren:
„Rittersleut auf Schwarzwaldhöh’n – Das ,Alte Schloss‘ und seine Geschichte(n)“. Termine: 25. März und 5. August, 14.30 Uhr. Mit Lydia Erforth oder Sandra Eberle.
„Von Rittern, Burgfräulein und Gespenstern!“ Für Kinder ab acht Jahren. Termine: 14. April. 28. Juli und 25. August, 14.30 Uhr. Mit Lydia Erforth.
Informationen und Anmeldung (unbedingt erforderlich) beim Service Center Schloss Rastatt:
Tel. 072 22 l 9 34 98 81 oder – 97 81 78.
E-Mail: service@schloss-rastatt.de, www.schloss-hohenbaden.de