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Kirchenruine Allerheiligen,Lavierte Federzeichnung, Karl Weysser (1833-1904)


Die Zeichnung der Kirchenruine Allerheiligen


1870 fertigte der Landschafts- und Architekturmaler Karl Weysser (1833–1904) eine lavierte Federzeichnung von der Kirchenruine in Allerheiligen. Das Blatt zeigt einen wohl gewählten Ausschnitt der Ruine. Zu sehen sind die Fassade des nördlichen Querhauses, der markante Treppenturm und eine Spitzbogenarkade des Langhauses. Aus kompositorischen Gründen verzichtete Weysser darauf, auch den Vierungsturm in seine Zeichnung zu integrieren – obwohl dieser sich vom Standort des Künstlers aus hinter der Querhausfassade erheben müsste. Das schräg einfallende Morgenlicht, die aufragende Ruine und die hohen Tannen geben so einen Eindruck von der romantischen Stimmung Allerheiligens – die Künstler wie Weysser und viele andere Reisende des 19. Jahrhunderts anzog.

Die Prämonstratenserabtei in Allerheiligen bestand bis 1802. Dann wurde das Kloster durch die neuen badischen Landesherren aufgelöst. Verschiedene Versuche, das einsam gelegene Konventsgebäude neu zu nutzen, scheiterten. Es eignete sich weder als Sitz einer Pfarrei noch als Standort einer Wollmanufaktur. 1816 wurde das Konventsgebäude schließlich zum Abbruch freigegeben. Die Kirche, die 1804 vom Blitz beschädigt worden war, erfuhr 1821 dasselbe Schicksal. So nutzte man die Klosteranlage nun als Steinbruch, dessen Material zur Errichtung neuer Pfarrkirchen in der Umgebung diente, wie z.B. für die katholischen Kirchen in Achern und Ottenhöfen.

Erst in der Zeit der Romantik sah man das ruinöse Ensemble mit neuen Augen. Man war fasziniert von den architektonischen Zeugnissen vergangener Zeiten, von der malerischen Abgeschiedenheit des Schwarzwaldtals und von der Naturgewalt der nahen Wasserfälle. Die Verbindung von Ruinenromantik und Naturerlebnis macht den besonderen Reiz des Ortes aus – den auch Weysser in seiner Zeichnung festzuhalten versuchte. Ab 1844 veranlasste der Badische Altertumsverein die ersten Maßnahmen zur Sicherung der Ruine. Allerheiligen wurde zu einem vielbesuchten Touristenmagnet, der noch heute Besucher aus aller Welt anzieht.

Reisebeschreibung von Mark Twain

 
 
Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook