Die Ludwigskirche in Freiburg
Das Schicksal der Ludwigskirche in Freiburg zeigt den gesellschaftlichen Wertewandel, der durch die Säkularisation eingeleitet wurde, auf besondere Weise. Die Ludwigskirche ist der erste eigene Kirchenbau der noch jungen evangelischen Gemeinde in Freiburg. Sie wurde ab 1829 unter Aufsicht des badischen Baudirektors Heinrich Hübsch errichtet. Die badische Regierung entschloss sich bei diesem Neubau zu einem bedeutsamen Schritt: Sie verwarf einen ersten klassizistischen Entwurf. Hübsch wurde stattdessen damit beauftragt, die zum Abriss freigegebene Klosterkirche von Tennenbach Stein für Stein abzutragen und sie in Freiburg als evangelische Ludwigskirche wieder aufzubauen. Ihren Namen erhielt die Kirche nach dem regierenden Großherzog Ludwig.
Heinrich Hübsch achtete bei den Bauarbeiten darauf, dass der romanische Stil der Kirche an ihrem neuen Standort von allen späteren Zutaten bereinigt wurde: er erhöhte den Vierungsturm, ersetzte das gotische Fassadenfenster durch eine romanische Rose, gab dem Portal einen Dreiecksgiebel und schmückte die Wandfelder mit Rundbogenfriesen. Nach zehnjähriger Bauzeit wurde die Ludwigskirche 1839 eingeweiht.
Die Geschichte der Ludwigskirche zeugt also nicht nur vom Umgang mit Kirchengütern während der Säkularisation. Ihr stilgetreuer Wiederaufbau veranschaulicht auch das wachsende Interesse an mittelalterlichen Baudenkmälern in der Zeit der Romantik.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Ludwigskirche zerstört. In den Neubau der Nachkriegszeit – errichtet 1952–1954 – integrierte man einige aus der Ruine geborgene Fragmente; darunter, im Sockel des Altars, ein Teil aus dem Rundbogenfries. Auf diese Weise blieben zumindest einige wenige Überreste der Tennenbacher Klosterkirche erhalten.