Ausstellung - Ausstellungsobjekte


Äbtissin


Das Bildnis der Maria Anna von Hornstein-Göffingen
Die gebrochene Kraft einer starken Frau

Maria Anna von Hornstein-Göffingen (1723-1809) war über 50 Jahre lang Äbtissin des fürstlichen Damenstiftes in Säckingen. Das kleinformatige Pastellbildnis, heute im Hochrheinmuseum Bad Säckingen, schuf ein unbekannter Künstler wohl um 1790/1800. Es zeigt die etwa 70jährige mit einer Spitzenhaube und einem Schal aus feinem Gewebe, an dem das Äbtissinnenkreuz steckt. Das von Alter und Krankheit gezeichnete, aber würdevolle Gesicht mit den wachen blauen Augen vermittelt den Eindruck einer starken Persönlichkeit.

Maria Anna war die letzte Fürstäbtissin, die über das Wohl der sechzehn adeligen Stiftsdamen wachte. Sie hatte bereits 1785 durch ihr energisches Auftreten am Wiener Hof das Stift vor der drohenden Aufhebung durch die Kirchenreform Kaiser Josephs II. bewahrt. Mit Beginn der Säkularisation aber – sie war inzwischen über 80 Jahre alt – hatte sie nicht mehr die Kraft, sich gegen die erneute Gefahr für ihr Stift zu wehren.

Da Österreich 1803 auf Säkularisationen verzichtete, bestand das Stift bis 1806. Die österreichischen Vorlande wurden im Pressburger Frieden unter Baden und Württemberg geteilt. Mit der endgültigen Grenzfestlegung fiel Säckingen schließlich an Baden, und die württembergischen Soldaten, die bereits in die Stadt eingerückt waren, mussten wieder abziehen. Das Stift wurde im September 1806 aufgehoben, seine Besitztümer inventarisiert und das bewegliche Ausstattungsgut zum größten Teil nach Karlsruhe abgeliefert.

Maria Anna von Hornstein-Göffingen starb 1809 in Säckingen. Nach ihrem Tod brachte man auch ihr Hab und Gut nach Karlsruhe: 21 Zentner Hausrat und Möbel sowie mehrere Kutschen, darunter auch die so genannte „Wurst“ – eine offene Kutsche, in der alle sechzehn Stiftsdamen zugleich Platz gefunden hatten.

 
 
Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook