Thema des Monats April 2003
Neue Kronen für Baden und Württemberg
Die Krone des badischen Großherzog Karl Friedrich entstand 1811. Zwar hatte der Monarch bereits 1808 den Wunsch geäußert, neue Kroninsignien machen zu lassen. Tatsächlich wurden sie aber erst nach seinem Tod am 10. Juni 1811 ausgeführt – für die Beisetzungszeremonie. Und da musste es vor allem schnell gehen. In nur wenigen Tagen wurde die neue Krone von Hofsticker Wolf und Hofjuwelier C. W. Dreßler angefertigt. Wie schnell die Arbeit erledigt werden musste, zeigt die simple Konstruktion aus Draht, vergoldetem Silberblech, Pappmaché, Samt, Seidentaft, Goldfäden und Pailletten. Wertvoll hingegen ist der Brillant- und Edelsteinschmuck der Krone; den entnahm Dreßler zum Teil dem nutzlos gewordenen Kurhut Badens – von dem unter anderem der Reichsapfel stammt. Außerdem verarbeitete er Steine und ganze Schmuckstücke aus säkularisierten Kirchenschätzen. Darunter – wie die Forschung erst kürzlich entdeckte – wertvolle Edelsteinrosetten aus dem Brustkreuz des Speyrer Fürstbischof Franz Christoph von Hutten zum Stolzenberg. Dank eines Portraits des Fürstbischofs aus dem 18. Jahrhundert konnten die Schmuckstücke sogar identifiziert werden!
Für die Anfertigung der württembergischen Krone stand mehr Zeit zur Verfügung. Friedrich I. gab seine Reichsinsignien schon bald nach Annahme des Königstitels 1806 in Auftrag. Er trug sie zumindest einmal zu Lebzeiten. Danach fanden die württembergischen Insignien, wie auch die badischen, nur noch bei Beisetzungszeremonien Verwendung. Anders als in Baden verwendete man in Württemberg zur Herstellung der Krone kein Säkularisationsgut: Die Württemberger hatten eine reiche Edelstein- und Schmucksammlung, vor allem von Herzog Carl Alexander zusammengetragen, aus der man die großen Diamanten und Smaragde der Krone nehmen konnte.
Die Kronen der badischen und der württembergischen Herrscherhäuser sind gleichermaßen ideell wie materiell mit dem Ereignis der Säkularisation verbunden.
Die badische Krone wird in diesem Jahr anlässlich der großen Säkularisationsausstellung der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg vom 22. März bis zum 8. April in Schloss Bruchsal ausgestellt. Ab 13.04. ist das wertvolle Stück in der großen Säkularisationsschau des Württembergischen Landesmuseums in Bad Schussenried zu besichtigen.