Ausstellungsthemen

Thema des Monats Februar 2003

Kirchenschätze – Höfische Sammlungen – Staatliche Museen

Marienstatue

Vieles, was heute an mittelalterlicher Kunst in Museen zu bewundern ist, stand vor 200 Jahren noch in Kirchen und Klöstern. Als in Baden und Württemberg 1803 mit der Säkularisation begonnen wurde, interessierten sich die weltlichen Herrscher vor allem für den materiellen Wert der Kirchengüter. Also sammelten eigens eingesetzte „Kommissare“ den neu gewonnenen Kirchenbesitz ein. Vieles wurde für die Weiterverarbeitung auseinandergenommen. Viele Gerätschaften und Figuren aus Edelmetall schmolz man kurzerhand ein, um daraus Münzen zu prägen oder Material für weltliche Preziosen zu gewinnen. Vieles, vom Klostergaul bis zur Monstranz wurde jedoch auch einfach verkauft – und so entgingen manche Stücke der Zerstörung. Nicht wenige gelangten – nunmehr als Kunstobjekte wert geschätzt – in herrschaftliche und private Sammlungen, die im Laufe des 19. Jahrhunderts zum Bestandteil vieler öffentlicher Museen wurden.

Heiliger Norbert

Die altdeutsche Abteilung der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe etwa erhielt nach ihrer Gründung 1846 aus großherzlichem Besitz die unterschiedlichsten Sammelstücke, deren Geschichte eng mit der Säkularisation in Verbindung steht. Aus der großherzoglich-badischen Kunstsammlung stammt der Hohenlandenbergaltar. Das Retabel wurde um 1500 für die Pfalzkapelle des Konstanzer Bischofs Hugo von Hohenlandenberg geschaffen. Bereits 1817 rettete das Finanzministerium das Stück für das Großherzogliche Gemäldekabinett, zeitweilig wurde es als Leihgabe in Kloster Lichtenthal aufgestellt und kam dann 1853 in die Sammlung der Staatlichen Kunsthalle. Den wohl größten Bestand säkularisierter, mittelalterlicher Malerei erhielt die Kunsthalle 1858 durch den Ankauf von 109 Werken aus der Sammlung des Freiburger Domkapitulars J. B. von Hirscher.

Fossile Fische

Ein weiteres Beispiel für das damals entstehende Interesse an mittelalterlicher Kunst ist die Sammlung eines Rottweiler Geistlichen: Dr. Johann Georg Martin von Dursch. Er begann ab den 1830er Jahren spätgotische Tafelbilder und Skulpturen zu sammeln. Bereits 1851 erwarb König Wilhelm I. von Württemberg die Sammlung und schenkte sie der Stadt Rottweil. Sie ist heute Bestandteil des Dominikanermuseums in Rottweil. Ein ganz anderes Beispiel säkularisierten Kirchenbesitzes findet sich im Naturkundemuseum Karlsruhe. Hier werden Stücke aus dem 1784 von Fürstbischof Maximilian in Meersburg angelegten Naturalienkabinett aufbewahrt.

Weihwasserkessel

Mittelalterlicher Klosterbesitz und Kirchengüter wie Altäre, Monstranzen, Kruzifixe, Heiligenfiguren oder Messgewänder sind heute eine Selbstverständlichkeit in den Museen. Vor 200 Jahren dachte man anders. Der künstlerische Wert und die historische Bedeutung dieser Gegenstände musste erst erkannt werden – und die Geschichte der Säkularisation hat in vielen Fällen damit zu tun.

 

 
 
Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook