Ausstellungsthemen

Thema des Monats Januar 2003

Wohin mit den Klöstern und Kirchen?

Als die weltlichen Fürsten um das Jahr 1803 sich der Besitztümer der Klöster und Kirchen bemächtigten – da bedachte keiner die Kosten der Säkularisation. Die Übernahme der kirchlichen Immobilien bedeutete für die weltlichen Herrscher schnell eine unerwartet hohe Belastung. Vertrieb man die Mönche, blieben die Bauten unbewirtschaftet und zerfielen. Zu verkaufen waren die Anlagen nur in wenigen Fällen – zumal in den Jahren nach der Säkularisation der Immobilienmarkt geradezu übersättigt war. Es blieb nur, neue Nutzungsmöglichkeiten für Klöster und Kirchen zu finden. Wo möglich, verlegte man Pfarreien in die neuen Besitztümer. Auch Verwaltungen fanden dort ihren Sitz. Dass die übernommenen Bauwerke teilweise Kunstwerke allerhöchsten Ranges war, geriet erst im späteren 19.Jahrhundert ins allgemeine Bewusstsein!

St. Blasien

Ein Beispiel: das große Benediktinerkloster St. Blasien. Im 18. Jahrhundert war es unter Abt Martin II. Gerbert ein Ort blühenden klösterlichen Lebens. Nach der Auflösung wurde aus der großen Klosterkirche eine Pfarrkirche. Der Rest der Anlage sollte abgerissen werden; erst das Eingreifen von Erbgroßherzogin Sophie und Baudirektor Weinbrenner verhinderten diesen barbarischen Schritt. 1809 fand sich ein Schweizer Unternehmer, der im Kloster eine Spinn- und Webmaschinenfabrik gründete. 1813 folgte eine Gewehrfabrik. Zeitweise lebten bis zu 800 Menschen von dieser Industrieansiedlung im Schwarzwald. 1933 zog das bekannte Jesuitenkolleg, ein international besuchtes Gymnasium, ein.

Großcomburg

Ähnliches lässt sich auch über andere Klöster berichten. Etwa das Chorherrenstift Großcomburg bei Schwäbisch Hall. Es war nacheinander Residenz des württembergischen Prinzen Paul, Verwaltungsbau, Sitz des Königlich-Württembergischen Ehreninvalidencorps (also ein Heim für Ruhestandssoldaten) und Heimvolkshochschule. Seit 1947 befindet sich dort die Staatliche Akademie für Lehrerfortbildung.

Kloster Zwiefalten

In Kloster Zwiefalten wurde 1812 die erste Königlich Württembergische Irrenanstalt gegründet – wie überhaupt Krankenhäuser und Psychiatrische Anstalten häufiger in den einstigen Klostergebäuden ihren Ort fanden. Ein ganz anderes Schicksal: das einstige Dominikanerkloster auf der Insel in Konstanz wurde durch die findige schweizerische Aktiengesellschaft „Inselhotel“ 1874 zu einem der zeitweilig berühmtesten Luxushotels Europas umgestaltet.

 

Andere Klosteranlagen hatten weniger Glück. Nicht wenige wurden abgerissen oder als Steinbruch für den Bau anderer Kirchen benutzt. Als Ruine heute noch erhalten, zeugen zum Beispiel Tennenbach und Allerheiligen von den Folgen der Säkularisation – wobei die Klosterruine Allerheiligen mit dem beginnenden Tourismus im 19. Jahrhundert eine ganz enorme Karriere als romantischer Ausflugsort machte.

 
 
Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook