Ausstellungsthemen

Thema des Monats Juli 2003

Caspar Joseph Oehl– Beamter am fürstbischöflichen Hof zu Bruchsal

Caspar Joseph Oehl

Das Gefüge vieler geistlicher Staatsapparate stürzte durch die Säkularisation nach 1802 ein. Betroffen davon waren Mönche und Nonnen ebenso wie weltliches Personal: Diener, Köche, Stallmeister – aber auch die Beamten, die ihren Amtseid auf den jeweiligen Fürstbischof oder Abt geleistet hatten. Für sie alle mussten mit einem Mal neue Arbeitsstellen gefunden werden. Man fertigte daher Bewertungslisten, in denen jeder einzelne seinen Fähigkeiten und Verdiensten nach beurteilt wurde. Die Listen haben sich erhalten und erlauben gelegentlich den Blick auf die Lebenswege der von der Säkularisation Betroffenen. Ein Beispiel: der Geheime Rat Caspar Joseph Oehl (1754–1823).

Weihrauchfass

Caspar Joseph Oehl war Beamter am Hof des Fürstbischofs zu Bruchsal. Da er Französisch sprach und sich gut zu präsentieren verstand, übertrug man ihm die unterschiedlichsten diplomatischen Aufgaben wie etwa die Vertretung Speyers auf dem Rastatter Kongress und bei den Verhandlungen mit der französischen Armee. Nach der Säkularisierung Bruchsals wurde Oehl in den Dienst des Großherzogs Karl Friedrich an den Hof in Karlsruhe übernommen und begann dort eine steile Karriere: 1803 wurde er als Geheimer Referendär in den badischen Geheimen Rat berufen, 1805 war er bereits General-Landeskommissär, 1807 wurde er Mitglied des Polizeidepartements, 1808 versetzte man ihn in das Justizdepartement, 1809 folgte die Ernennung zum Staatsrat und 1819 die zum Direktor der Staats-Anstaltenkommission.

Manipel

Als Mitglied der katholischen Stadtgemeinde in Karlsruhe engagierte sich Oehl außerdem für die Realisierung der St. Stephans-Kirche. Der Bau wurde in den Jahren 1808–1814 nach Plänen Friedrich Weinbrenners ausgeführt. Es gelang Oehl durch seinen Einfluss bei Hof für die Ausstattung des neuen Kirchenbaus wertvolle Stücke aus säkularisierten Klöstern zu sichern. Großherzog Karl Friedrich bedachte die Kirche mit großzügigen Schenkungen aus Säkularisationsgut.

Monstranz

Bereits zur Grundsteinlegung 1808 versprach er der Gemeinde fünf Glocken der Klosterkirche St. Blasien. Außerdem schenkte er ihr die St. Blasianer Silbermannorgel. St. Stephan erhielt reiche Schätze an Paramenten und Kirchensilber. Darunter – vor allem aus Bruchsaler Besitztümern – von jeder liturgischen Farbe einen vollständigen Ornat, einen wertvollen mit farbigen Blumen durchwirktem Goldstoff, den Metternichkelch aus dem Speyerer Domschatz sowie weitere liturgische Geräte aus Beständen des aufgehobenen Ritterstifts Odenheim.

Von dort stammt auch eine prachtvolle Hostienmonstranz, die nachweislich durch die direkte Vermittlung Oehls aus der Karlsruher Silberkammer nach St. Stephan kam.

 

 

 

 
 
Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook