Thema des Monats Mai 2003
Das Damenstift zu Säckingen
Die Säkularisation betraf nicht ausschließlich Männer! Auch das Schicksal vieler Frauen war mit den politischen Ereignissen um 1803 verbunden. Eine wichtige Frauengestalt der Säkularisationszeit war Maria Anna von Hornstein-Göffingen (1723–1809). Sie war die letzte Äbtissin des fürstlichen Damenstiftes St. Fridolin in Bad Säckingen, dessen Geschichte bis auf das 7. Jahrhundert zurückgeht. Bereits 1785 hatte Maria Anna durch ihr energisches Auftreten am Wiener Hof das Stift und seine Besitztümer gerettet. Damals drohte die Aufhebung durch die Kirchenreform Kaiser Josephs II..
Mit Beginn der Säkularisation war Maria Anna von Hornstein-Göffingen bereits über 80 Jahre alt. Sie hatte zu diesem Zeitpunkt kaum noch die Energie, sich gegen die erneute Gefahr für ihr Stift zu wehren. Sechzehn adelige Damen lebten im Jahr 1803 im Säckinger Damenstift. Zwar konnte zuerst noch verhindert werden, dass der Johanniterorden das Stift übernahm. 1806 aber, nach dem Pressburger Frieden und dem Einmarsch erst der württembergischen, dann der badischen Truppen in Säckingen, war die Auflösung des Stiftes absehbar. Und so legten die badischen Säkularisationskommissare den Damen bald nahe, ihr Leben zukünftig im Schoße ihrer Familien zu verbringen. Die Alternative: Sie konnten mit einer kleinen Pension aus der Staatskasse weiter in Säckingen wohnen.
Der Besitz der Stiftsdamen und des Stiftes wurde 1806 inventarisiert und zu einem großen Teil in Karlsruhe versteigert. Die Auflistungen der Kommissare zeigen, dass das Kloster über einen beachtlichen Bestand an Gebäuden und Grund verfügte. Erstaunt waren die Kommissare auch über den Kirchenschatz des Stiftes. Er enthielt, neben vielen wertvollen Stücken, den silbernen Sarg des heiligen Fridolin. Das meiste blieb in Säckingen, weil es weiter für die Heiligenverehrung, für Festtage und Wallfahrten, genutzt werden sollte. Die kleine Säckinger Bibliothek ging an die Universität in Freiburg.