Säkularisation

Säkularisation – Was ist das?
„Säkularisation“ bezeichnet die Übernahme kirchlichen Eigentums durch eine weltliche = „säkulare“ Macht.

Schlacht bei Biberach

Was geschah um 1803?
Die deutschen Reichsgebiete links des Rheins wurden in den Revolutionskriegen ab 1792 von französischen Truppen besetzt. Sie gingen den deutschen Landesfürsten dauerhaft verloren. Bei den Friedensverhandlungen sicherte Napoleon den Fürsten entsprechende Entschädigungen zu – Entschädigungen, die nur durch die Säkularisierung von Klöstern und geistlichen Herrschaftsgebieten rechts des Rheins möglich waren.

Baden und Württemberg reagierten schon 1802 auf die französischen Zusagen. Sie besetzten die ihnen versprochenen Gebiete – insgesamt ein Vielfaches ihrer ursprünglichen Verluste. Offiziell bestätigt wurde das Ende der geistlichen Territorien am 25. Februar 1803 durch einen Beschluss der „Reichsdeputation“
(Ausschuss des Reichstages für Fragen der Entschädigung), den so genannten „Reichsdeputationshauptschluss“.

Die politischen Folgen der Säkularisation
Die politischen Folgen der Säkularisation prägen die Geschichte bis in die Gegenwart. Sichtbar sind sie heute noch in vielen Orten Baden-Württembergs: Ehemalige kirchliche Denkmale sind seit 200 Jahren Eigentum des Staates und werden vom Land betreut.

Karl Friedrich

Baden und Württemberg
Die Übernahme der geistlichen Gebiete bedeutete für Baden und Württemberg eine deutliche Erweiterung ihrer Herrschaftsbereiche. Außerdem verhalf Napoleon dem badischen Markgrafen Karl Friedrich zunächst zur Kurfürstenwürde, 1806 zum Rang eines Großherzogs mit dem Titel „Königliche Hoheit“. Herzog Friedrich von Württemberg erhielt die Königswürde.

Sankt Blasien

Sehr schnell begannen Baden und Württemberg damit, die neu gewonnenen Kirchengüter zu verkaufen. Der Erlös blieb häufig hinter den finanziellen Erwartungen zurück, kein Wunder: In vielen Klöstern waren die Reichtümer nicht so groß wie angenommen. Allzu viele Ländereien und Gebäude kamen gleichzeitig auf den Markt. Zudem übernahm der Staat die Versorgung der Nonnen und Mönche. Noch Jahrzehnte lang mussten Pensionen bezahlt werden.

Invalidenstift Comburg, Aquarell von Reinhol Braun, 1863

Was weiter mit den säkularisierten Klöstern geschah
Die Nutzung der säkularisierten Klöster in den letzten zwei Jahrhunderten ist ein besonderes Kapitel: Seit damals stellt sich immer wieder die Frage, wozu man diese großen Gebäudekomplexe verwenden kann. Kasernen oder Fabriken zogen in manche Klostergebäude ein. Anderswo wurden Verwaltungen, Schulen oder Gefängnisse, Psychatrien oder Krankenhäuser untergebracht. Sie blieben häufig in staatlichem Eigentum. Bis heute trägt die Staatliche Hochbauverwaltung die Baulast für die ehemaligen Klostergebäude, für viele Kirchen und Pfarrhäuser.

 
 
Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook