Schloss Hohenheim

Schloss Hohenheim, Stahlstich, 1840

Herzog Carl Eugen (1744-1793) schenkte im Jahr 1772 seiner Maitresse und späteren zweiten Gemahlin Franziska von Leutrum das Schloss- und Landgut Hohenheim und begann mit dem Ausbau des alten kleinen Wasserschlosses und der Gartenanlagen. Das Paar bezog einfache Räume im westlichen Flügel der neu erbauten Gutsresidenz und lebte im Stil einer Gutsherrschaft. 1776 wurde Hohenheim zur Sommerresidenz bestimmt.

Reiterbildnis Herzog Carl Eugen von Württemberg in Stuttgart - Hohenheim 1790

Die Abkehr vom spätbarocken Lebensstil hängt wohl mit der Niederlage Carl Eugens in seinen Auseinandersetzungen mit den „Landständen“ zusammen, die ihn 1770 gemeinsam mit der „Reichshofkammer“ in Wien zur Einschränkung seiner Regierungsfreiheiten zwangen. Mit seiner ganzen Energie betrieb der Herzog in der Folge dann das Projekt „Hohenheim“.

Schloss Hohenheim: Grundriss des Erdgeschosses und Gartens v. 1785 / 86

Seit 1782 ließ der Herzog von R.F.H. Fischer anstelle des alten Wasserschlosses ein weitläufiges Residenzschloss mit Innenhof und Seitenhöfen errichten. Angeregt zu diesem Bau hatte ihn wohl der Besuch des russischen Großfürsten Paul und seiner Gemahlin Maria Fjodorowna, der Landesherr trachtete danach, sich in repräsentativem Licht zu zeigen. Beim Tod Carl Eugens 1793 in Hohenheim war die spätbarocke Anlage noch nicht vollendet. Im Inneren hatte man bereits mit der Ausgestaltung im frühklassizistischen Stil, der jedoch noch Anklänge ans Rokoko aufweist, begonnen.

"Parkanlage ""Englische Anlage"" Stuttgart - Hohenheim um 1800"

Die eigentliche Attraktion gewann Schloss Hohenheim durch seine höchst merkwürdige Außenanlage: Nach einer Englandreise des 1776 wurde, neben dem symmetrisch gestalteten Schloßvorbereich mit Garten- und Rasenparterres, nicht etwa ein weitläufiger englischer Landschaftsgarten geplant, vielmehr ließ der Herzog auf kleinem Terrain in der Nähe des Schlosses eine fiktive Ortschaft auf imaginären römischen Ruinen errichten. Alle notwendigen Gebäude und öffentlichen Einrichtungen, samt gotischer Kapelle und mittelalterlichem Kloster, wurden im Maßstab 1:4 geschaffen.

Ein Rathaus fehlte ebenso wenig wie ein Wirtshaus, die Meierei und eine Köhlerhütte. Daneben gab es eine Cestius-Pyramide, Säulen vom Tempel des Jupiter, Hüttchen und Heuwagen, oft aufs feinste dekoriert und als elegante Boudoirs ausgestattet. Die fiktive Kolonie erwachte zuzeiten zum Leben, wenn, etwa beim Geburtstag des Herrschers, die Carlsschüler als einfache Bauernschaft die Szenerie zu bevölkern hatte. „Ländliche Einfachheit und versunkene städtische Herrlichkeit“, so Friedrich Schiller, waren Programm des „Englischen Dörfle“.

Über 60 Gebäude waren schließlich, dank des herzoglichen Eifers, auf dem Gelände versammelt und stürzten die Besucher in verwirrende, ständig wechselnde Sinneseindrücke: diese Häufung von Attraktionen spiegeln eher Rokoko-Geschmack als empfindsames Landleben. So urteilte Johann Wolfgang Goethe im Gegensatz zu seinem wohlmeinenden Dichterkollegen Schiller: „viele kleine Dinge machen zusammen leider kein großes“.

Stuttgart-Hohenheim: Englisches Dorf, "Das Rathaus" um 1797 Englisches Dorf, "Die drey Säulen des donnernden Jupiters" 1800 Englisches Dorf, "Die gothische Kirche mit dem Karthaeuser Kloster" 1798
Englisches Dorf, "Tempel der Vesta" von Victor Heideloff 1795  Englisches Dorf, "Der Sibillentempel" 1797
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