Der Name des Schlosses Kapfenburg lässt heute noch auf die ursprüngliche Funktion der Anlage schließen. Auch die exponierte Lage auf einer Bergkuppe am Rand des Härtsfeldes, von der aus man einen weiten Blick ins Land hat, weist auf den mittelalterlichen wehrhaften Charakter der Anlage hin. Die heutigen Besucherinnen und Besucher erkennen zudem im unregelmäßigen Grundriss des Gebäudeensembles noch die alten Strukturen einer ehemaligen Burg.
Unter Komtur Johann Eustach von Westernach (1590-1627) fand der zeitgemäße Repräsentationsanspruch des Deutschen Ordens seinen Ausdruck in der Errichtung eines neuen Gebäudes auf der Kapfenburg. Der nach dem Erbauer benannte Westernachbau mit seiner geschmückten Schaufassade im Osten, dem gestuften Giebel, den Rundtürmen mit welschen Hauben und dem Rittersaal im Inneren wandelte die Kapfenburg zur repräsentativen Renaissanceresidenz.
Im frühen 18. Jahrhundert ließ der Komtur Karl Heinrich Freiherr von Hornstein den Hohenlohebau völlig umgestalten. Das bis auf die Grundmauern abgebrochene Gebäude wurde als dreistöckiger Neubau wiedererrichtet. Aufwendige Treppenanlagen und ein der Talseite zugewandter Barockgiebel, der sich konkav emporschwingt, zeichnen diesen spätbarocken Bau aus.
Zeitgemäßes Repräsentieren gestattete nach umfangreichen Umbauten auch der Westernachbau, der in den vergrößerten Räumen in beiden Obergeschossen wertvolle Stuckdecken erhalten hatte. Mit einer einheitlichen Formensprache bei Dächern, Giebeln, Gesimsen und Hauswänden fasste der Baumeister Franz Keller sämtliche Neu- und Umbauten zu einer barocken Schlossanlage zusammen.