Die Wilhelma

Wilhelma innen, Vue du Grand Salon, Lithographie von 1855
Wilhelma innen, Vue de la Cour, Lithographie, 1855

Ihre Bedeutung und Kostbarkeit gewinnt die Wilhelma nicht nur durch die Lage am Rosensteinpark, sondern vor allem durch ihren exotisch-maurischen Stil. Gebäude und Innenausstattung wurden nach orientalischem Vorbild gestaltet. Blumenvielfalt und exotische Pflanzen, die Verwendung von Wasser als Gestaltungselement und die Bildung von Galeriehöfen tragen zu diesem üppigen Eindruck bei. Islamische Motive sind auch heute noch im ältesten Teil der Wilhelma, der zoologisch-botanischer Garten ist, zu finden: Ornamente, Inschriften, Bänderungen, Hufeisenbögen, Kuppeln mit Halbmondbekrönungen schmücken Gebäude und Mauern.

Zunächst war die Wilhelma als Gartenstaffage für den Rosensteinpark gedacht, entwickelte sich aber auf Betreiben des Königs zu einem eigenständigen Schloss, dessen Bad, großzügige Appartements und Gewächshäuser die Illusion vom Verweilen im Orient schufen.

Wilhelma innen, Vue de la Salle a Manger, Lithographie, 1855, Maurische Ausstattung.

Wilhelma innen, Vue de la Salle a Manger, Lithographie, 1855
Wilhelma innen, Vue de la Salle de Festin

Die Wahl eines Orts "aller sinnlichen Genüsse" war wohl auch durch des Königs Bedürfnis nach Rückzug und Privatheit bestimmt, zumal er sich aus dem familiären Leben zurückgezogen und der Schauspielerin Amalie Stubenrauch zugewandt hatte. In der Wilhelma erlaubte er sich die Flucht in die Gegenwelt aus der bürgerlich-moralischen Wirklichkeit. Dieser Rückzug gelang nur deshalb, weil Wilhelm I. nach den Hochzeitsfeierlichkeiten den Zutritt in die "Alhambra am Neckar" strengstens untersagte.

Stuttgart-Bad Cannstatt: Wilhelma innen, Details du decor de L'Interieur, Lithographie, 1855.

Stuttgart-Bad Cannstatt: Wilhelma innen, Details du decor de L'Interieur, Lithographie, 1855.
Wilhelma, maurischer Pavillon
Springbrunnen mit Frühlingsblumen

Nach dem Tod des Königs machte sein Sohn Karl die Wilhelma der Öffentlichkeit zugänglich, die gegen Auflagen und Eintrittsgeld die Anlage besuchen durfte. Nach dem Ersten Weltkrieg ging die Wilhelma in Staatsbesitz über, die bedeutende Pflanzensammlung wurde als botanischer Garten weitergeführt. Blumenausstellungen und die attraktive Pflege und Erweiterung der Pflanzensammlung machten immer mehr Publikum auf die Wilhelma aufmerksam, das zur Reichsgartenschau 1939 zu Zehntausenden an den Neckar strömte. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurde mit dem Wiederaufbau die Idee geboren, auch Tiere in der Wilhelma zu zeigen. Heute ist sie das beliebteste Ausflugsziel Stuttgarts.

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